um ZEIT ZU er LEBEN

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Ultra 2017/02 Prebischtor Elbsandstein Graupa

Das schönste an meinen Ultras ist inzwischen die Unterstützung meiner lieben Frau und Skatermaus Marion Anger. Bereits am Vorabend hatte sie mir meine Klamotten bereit gelegt und als ich am Freitag vor dem Ultra aus dem Büro kam, hatte sie mir noch wundervolle Brote- natürlich das selbst gebackene Vitalbrot1252- mit reichlich Sprossen, paar Wiener, Paprika und Gurke- vorbereitet- tausend Dank nochmal auf diesem Wege. 20170224_184026Die konnte ich auf der Fahrt zum Startort genießen.
Ich startete Am Freitag um 17.00 Uhr mit dem Zug in Riesa- über Dresden und mit der S- Bahn 1 bis Schmilka Hirschmühle. Dort beruhigte sich mein Gemüt deutlich, denn auf der Fähre auf der anderen Elbseite traf ich mindestens 10 mit Kraxen beschwerte Wanderer und Bergsteiger, teilweise mit Kindern im Buggie, 20170224_192108alle gut drauf und ich wusste, es gibt noch mehr so durchgeknallte Typen wie mich, die sich freiwillig auf solche Touren am freien Wochenende begeben. Alle Bilder werden größer, wenn Ihr diese anklickt und bei manchen habe ich mit Hinweis auch wie gewohnt den Ordner mit allen Bildern von unterwegs hinterlegt, damit Ihr Euch ein Bild von diesem Traumultra machen könnt.

LogodelogoczAuf der anderen Seite stellte ich meine Fenix auf go und lief gleich noch ein kleines warmup in Richtung Hrensko zum Grenzüberschreitenden Ultra im Februar. Auf halber Strecke noch Stopp an einem Supermarkt- ich hatte meine 85%ige Schokolade vergessen und ein Feierabendbier darf vor dem Ultra auch nicht fehlen. Hier konnte ich auch wahre Servicequalität kennenlernen. Der Verkäufer bemerkte meine verzweifelte Suche am Schokoladenregal und machte mich auf eine doch noch auf eine Tafel mit 65 % Kakaogehalt aufmerksam.
20170224_Streckenplan120170224_Streckenplan2Im Hotel Praha angekommen- die gleiche Freundlichkeit. Als ich auf den Hinweis zur Frühstückszeit mitteilte, dass ich schon um 06:30 Uhr starten will, stimmten wir nur die Zeit für 06:00 Uhr für ein Lunchpaket ab und ich konnte gegen 20:15 die Beine hochlegen und das letzte Streckenbriefing auf meinen zwei Seiten Oldscool- Streckenplan nochmal auf mich wirken lassen. Eine Strecke von 90 km sollte nicht nur läuferisch sondern auch orientierungsmäßig ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel absolviert werden können, denn Du weißt nie, ob die Technik unterwegs funktioniert und wenn, ob es überhaupt Empfang gibt.

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inov 8 X-claw 275 getauft ARA der fürs Grobe mehr auf Klick

Danach die Streckenverpflegung verpackt und Klamotten bereit gelegt und gegen 22:30 ab zu den letzten Stunden Schlaf.

Von der nebenstehenden Verpflegung hatte ich nach dem Lauf am anderen

20170224_210759 Tag immer noch mehr als die Hälfte übrig- ohne Hungerast- dazu gehörten: 3 Päckchen frische Sprossen, 2 gekochte Kartoffeln mit Salz, einige Stücke rote Paprika, geschnittene Tobinambur, Gurkenstücke, 5 Physalis, 2 Äpfel, Tüte mit je 3 EL Sonnenblumen- und Kürbiskernen, Buchweizen und Rosinen, sowie zwei Äpfeln und natürlich die Schokolade.  Dazu gab´s 1,75 l staatl. Fachingen still in der Trinkblase mit 1 Tee-Löffel frisch gemahlenes Salz. Die Fenix und Handy nochmals aufgeladen und Uhr auf 05:45 gestellt.
20170224_202450Letzter Blick aus dem Fenster auf die rauschende Kamenice (Kamnitz)- dort sollte am Morgen der nächste Ultra starten, der als Idee im Anflug von Euphorie beim Ultra2017/01 entstanden war.  Hier habe ich schon das erste mal den Ordner mit Bildern hinterlegt- oben rechts auf die 3 Punkte und dann auf Diashow- das gibt dann schon einen kleinen Einblick von der Schönheit der Strecke.
Der Schlaf war etwas unruhiger als normal- ich war alle 1,5 Stunden kurz wach und stand wie gewohnt schon vor dem Wecker auf. Vielleicht war es auch die Ungewißheit, ob der Körper der Belastung schon wieder gewachsen ist. Immerhin musste ich am 15.02. noch mit vollem Infekt einen Tag sogar total aussteigen und noch am 20.02. spürte ich Einschränkungen beim Atmen.
Es sollte jedoch viel besser laufen mit dem Laufen, als ich selbst erträumt hatte. Um 06:00 holte ich mir mein Lunchpaket- da war tatsächlich eine Dame extra wegen mir früher gekommen. Es war köstlich, zusätzlich genoß ich noch eine Eigenkreation unseres Brotes mit einem Aufstrich aus Avocado, Tomate, Salz und Zitrone. Die Inov8 waren angelegt, diesmal mit Gamaschen, die ich mit einer Eigenkonstruktion eines schmalen Schlingenstricks am Schuh befestigt hatte. Von XBionixs wieder Socken, lange Hose, Axelshirt, langer Pulli von Cocoon, darüber mein Specialshirt running1252, kurze Hose, Goretexjacke Windbreaker und Kältehandschuh und Stirnband. Danach war Time to start trailing- Ich startete um 06:33, nachdem die Fenix die Verbindung zu den Satelliten 20170225_063659hergestellt hatte.

Gleich zu Beginn der Hinweis–  es gibt ein paar Stellen, an denen ich wegen der Unkenntnis vor Ort nicht optimal abgebogen bin- damit Ihr alle Reize dieses Meggatrails voll auskosten könnt, mache ich Euch gleich darauf aufmerksam.
1. In Stimmersdorf nach Mezna Louka nicht wie ich rechts Nord abbiegen, sondern weiter links Süd  in Richtung der Klammen. Erst dort dann rechts abbiegen und  im Tal der Kamnitz wieder zurück nach Hrensko- Landschaftlich auf jeden Fall noch reizvoller-obwohl die Strecke auch so spektaktulär bezeichnet werden muss.
2. auf dem Weg hoch zum Großen Winterberg nicht wie ich den rechten Weg wählen, obwohl der landschaftlich sehr reizvoll ist, sondern gerade aus über die ca. 940 Treppen hoch zum Winterberg- ist kürzer, aber natürlich auch noch anspruchsvoller, eben was für die Sucht-Treppler- doch es sind auch so ausreichend Treppenkonstruktionen von der verwitterten Holztreppe, über senkrechte Stahltreppen und Blech- Betonkonstruktionen durch die Felsenschluchten vorhanden- die Du manchmal auch verfluchen könntest. Ein fast unbeschreiblicher, anspruchsvoller Trail, ich versuche meine Eindrücke im folgenden trotzdem wieder zu geben.
Der dazu aufgezeichnete Track auf  gpsies- link zum Nachlaufen befindeGPSies - Ultra 2017/02 Prebischtor Elbsandstein Graupat sich hier:
Lets enjoy the way- nach wenigen 100 m entlang der Kamnitz biegt der Weg sichtlich mit teilweise  mehr als 16 % an und es ist hier noch richtig kalt. im kleinen Video habt Ihr die ersten Eindrücke vom teils noch mit Eis und Schnee bedeckten Weg. (Sorry muss ich noch machen)
Der beginnende Morgen saugt mich entlang am rauschenden Flüsschen hinauf in Richtung Priebischor, ich schwebe förmlich dahin und bin auch froh, die inov8  X-claw 275 gewählt zu haben- die sind wie eine zweite Haut am Fuß und sollen mich im Gelände noch mehr überzeugen. 20170225_071646Wenn Du die Bilder vom Priebischtor- dem größten natürlichen Steintor Europas siehst, bist Du schon paff, doch als ich nach knapp 4 Kilometern und ca. 350 Höhenmetern darunter stand, blieb mir schon der Mund vor Begeisterung offen stehen. Zusätzlich die Meterlangen Eiszapfen an den Feldwänden, das frühe Tuckern der Spechte, fast schon wie mit dem Vorschlaghammer und für die Treppler unter Euch- schon hier bekommt Ihr mehr davon geboten, als in jedem Treppenhaus und mit viel Freiheit um Euch herum. Hinter dem Bild wieder der Ordner mit allen Bildern. Mir ist es inzwischen warm genug und ich ziehe die schon nasse Mütze ab, setze das Stirnband auf und die Handschuh hatte ich schon vorher ausgezogen. Hier verlierst Du natürlich, von der Wucht der Natur beeindruckt, etwas Zeit, denn das musst Du einfach ein paar Minuten genießen. Als ich  dann nach dem Tor in den Lauf bergab einschwenke und zurückblickte, war ich nochmals überwältigt von diesem Panorama- ich kann im Bild nicht annähernd die Wirklichkeit festhalten.
20170225_073837Dann gehts hinab bis nach Mezni Louka und weiter der grünen Wegmarkierung folgend nach Mezna (Stimnnersdorf)- Dort musste ich bei km 11  erstmal zweifeln und mich entscheiden. Ich wusste, dass ich durch die Klammen nicht laufen kann, dahin ging jedoch der Weg nach links. Ich bog also nach rechts ab. Das muss ich beim nächsten mal beachten, denn ich darf erst direkt an der Kamnitz abbiegen. Bitte dran denken, wenn Ihr die Strecke mal laufen wollt. Es ging jedoch trotz allem wieder wunderschön durch den Wald zurück über Hrensko, nochmal bei km 16,5 vorbei am Hotel Praha und entlang der Elbe bis zum Grenzübergang Schmilka. Jetzt ging es richtig bergan hinauf in Richtung Grosser Winterberg- teilweise über 27 % Steigung und noch teilweise geschlossene Schnee- oder besser Eisdecke. Es ist richtig kalt und ich muss die Handschuh wieder anziehen, die Finger sterben fast ab, die Sonne kommt jedoch raus und hilft mir beim Aufstieg, den ich teilweise im Schritt zurücklegen muss. Ich treffe die ersten frühen Wanderer und erreiche bei km 23 den Grossen Winterberg zur e20170225_105628rsten Rast. In der Sonne lässt sich die Kälte hier oben einigermaßen aushalten und ich bin erneut begeistert, von der Funktionsweise der XBionix- ich bin ruckzuck wieder trocken.
Von hier oben schwebe ich förmlich durch das Panorama des von der Sonne in goldgelb erglühenden Morgenwaldes bis zum nächsten betörenden Naturschauspiel bei km 28- dem zweiten Riesentor am Kuhstall. Dazu  muss ich jedoch erneut hunderte Treppen überwinden. Du kannst Dich einfach nicht satt sehen und ich muss alles mitnehmen und zwänge mich auch die engen Stufen durch den Kamin der Himmelsleiter hinauf. Das kostet zwar erneut Zeit- die ich jedoch gern in Kauf nehme. Mehr Bilder wieder hinter dem Bild.
Von hier geht es steil hinab zum Lichtenhainer Wasserfall, wobei ich einen kleinen Umweg über die Kirnitzschtalstraße nehme. Der Wasserfall stürzt förmlich hinab, die Regenfälle der letzten Tage haben diesen ordentlich aufgefüllt. Weiter gsht es im Tal bis zum Beuthenfall um von dort den Schwarwändeweg wieder steil aufzusteigen und das im wahrsten Sinne des Wortes- ich bin bei km 32 und die Steigung zieht mit 32 % auch über diese Marke. Ich kann nicht alle Eindrücke beschreiben, die ich jetzt auf dem Schaarwändeweg und Panoramaweg über Mittendorf, Altendorf bis nach Kohlmühle erlebe. Ich fühle mich auf jeden Fall gigantisch und weiß, ich könnte heute ewig laufen. Hier ungefähr melden sich auch Wolfgang Finke- der mir vom Blauen Wunder in Dresden entgegen kommen will und Kerstin Licht- Schwieck- die mich auf den letzten Metern begleiten will.
Eine wichtige Erfahrung an der Stelle habe ich zusätzlich- frage ruhig jemanden nach dem Weg, aber sei wachsam, es kennt sich kaum jemand in seiner Gegend aus. In Mittendorf muss ich einmal wieder zurück, weil die Wegweiser der Abbiegung nach links West einfach mal entgegen der Laufrichtung nach der Kurve angebracht sind und  ich mache in Altendorf wieder einen Fehler nach dem Hinweis eines Einwohners und muss ca. 1,5 km Straße in Kauf nehmen. Also wichtig, am Orteingang nach rechts oder Norden abbiegen- ich laufe gerade durch den Ort, doch es ist wenigstens kein Umweg.
20170225_130510Dafür ist in Kohlmühle mit km 40 genau der 2. Rastpunkt erreicht. Ich fühle mich perfekt, wenn ich auch die bisherige Strecke in den Beinen spüre. Auch hier ist es erst schwierig, den weiteren Weg zu bestimmen- die Beschilderung ist etwas gewöhnungsbedürftig, Du brauchst ein gesundes Gefühl wohin. Am Ortsausgang macht mich ein Arbeiter darauf aufmerksam, dass es gleich ordentlich mit 17 % bergan geht und es wird genauso und wieder richtig kalt, ich komme mir vor wie im 20170225_132845Eispalast und die Riesenzapfen bestätigen mir, es muss hier länger kalt sein. 20170225_135633Nach diesem Aufstieg genieße ich auf der Waitzdorfer Aussicht bei km 43,5  kurz den Blick zum Lilienstein, bevor ich über den Tiefen Grund downhill auf teilweise sehr beschwerlichen Pfaden den Tiefen Grund erreiche, von wo es mit steilen Anstiegen in Richtung Hohnstein geht und mit km 50 mehr als die Hälfte überwunden ist- eine traumhafte Strecke, auf denen sich die inov8 mehr als bezahlt machen. Egal ob Überwindung von Bächen, feuchten Felsen, Eis, Matsch oder Asphalt ich fühle mich immer vollkommen trittsicher. Hier frage ich zwei ältere Wanderer, denn es gibt hier zwei mögliche Fortsetzungen an der Burg vorbei. Es scheint ordentlich kalt zu sein, denn die Frau trägt zwei paar Fausthandschuhe- ich brauche im Moment keine. Ich will jedoch direkt durchs Polenztal und weiter zum Amselgrund. Hier bin ich schon etwas richtungssicherer. Ich nehme nicht den Weg über die Schwedenlöcher hoch zur Bastei, sondern vorbei am leeren Amselsee und Felsenbühne Rathen bis ich die Treppenanstiege in Richtung Bastei erreiche. 20170225_163607Ohne die herrlichen Aussichten ins Elbtal und einigen Schnappschüssen vor Erreichen der Basteibrücke auf Dich wirken zu lassen, 20170225BildkurzorBasteibist Du kein echter Trailrunner. Ich sauge es förmlich in mich ein, vor allen weil die Sonne schon langsam in Richtung Sonnenuntergang triftet und so herrliche Farbspiele bietet. Soviel Zeit muss ich mir einfach nehmen und nehme dabei in Kauf, dass die letzten Kilometer tatsächlich im Tiefdunkeln zu laufen sein werden.
Auf der Bastei sind bereits jetzt ordentlich Menschen und es ist nicht zu empfehlen, diese Strecke von Frühsommer bis Ende September zu laufen, weil dann hier die Hölle los ist.20170225_164026
Von der Bastei ist es ein relaxtes Laufen bis zum steinernen Tisch, von dort hinunter nach Wehlen muss ich schon aufpassen, wo ich hintrete, denn der Weg ist steil und stark verwittert. Auf dem Markt in Wehlen nehme ich meine letzte Verpflegungspause und an dieser Stelle ist bei km 60 mein Wasser alle. Naja es sind ja nur noch 2 X 15 km, was ich meiner Frau signalisiere, klinkt zumindest nicht so schlimm wie 30 km kommt von ihr zurück.  Die Stirnlampe setze ich schon mal profilaktisch auf.
Beim Weiterlaufen gibt´s hier nochmals eine Verzögerung. Es steht zwar am Wegweiser Malerweg, aber sowohl in die eine als auch in die andere Richtung zeigt es auch den steinernen Tisch und Bastei- von dort bin ich jedoch gerade gekommen. Auch die Frage an einem Grundstück nach der Lohmener Klamm oder Liebetaler Grund bringt wieder keine Hilfe, ich hab das Gefühl, die Leute kennen ihre direkte Umgebung nicht. Ich laufe also etwas weiter und entdecke doch den Uttenwalder Grund an einem Wegweiser, wenn  ich auch wieder in Richtung steinerner Tisch und Bastei laufen muss. Schon ein mulmiges Gefühl, wenn Du mitten im Wald bist und es wird schon Dunkel und Du weist, was hinter Dir liegt und was Du vor allem doch noch im Dunkeln erlaufen musst. Doch dann kommt das erlösende Schild nach Westen und ich erreiche bei km 63 das Gasthaus Waldidylle und es brennt noch Licht. Ich kann nochmal einen Liter stilles Wasser tanken und noch ein Glas gleich trinken. Dann gehts auf, zu den letzten Herausforderungen und Naturschauspiele durch das Uttenwalder Felsentor. Der Weg ist im Dunkeln beschwerlich, zumal dieser nochmals in Singletrails mit etlichen verwaschenen Natursteintreppen übergeht. Doch irgendwie fühle ich mich wie befreit- ich könnt noch ewig so weiterlaufen. Es ist unglaublich, was der Körper so alles kann. Ich höre noch die Warnungen in meinem Ohr, die mir wegen meines Infekt einige zugesandt hatten, mal ganz abgesehen, von denen, die solch 20170225_181716lange Strecken prinzipiell als ungesund für den Körper bezeichnen. Ich habe für mich eher das Gefühl, mein Körper sagt inzwischen, ich habe alles im Griff, kannst ruhig weitermachen. Fast spüre  ich noch nicht einmal die Kälte die inzwischen erneut zunimmt und deren Realität  ich an den Eispanzern im Lohmener Grund erkennen kann. Ich fühle mich wie in einer Eisgrotte. Als ich die Lohmener Klamm bei Km 67 verlasse, wird mir leichter ums Gemüt. Ich sehe in der Ferne die Lichter von Liebethal bzw. Mühldorf. Die Strecke ist mir noch von zwei Ultras bekannt- bis zum Liebethaler Grund ist es nur noch ein Katzensprung. Das laufen geht seltsamerweise immer fließender und ich spüre heute keinerlei Muckern an den Fußgelenken, wie ich das von den letzten beiden Ultras noch in Erinnerung habe. Auch die Lunge hat das Ganze bis hierher perfekt gemeistert. Ich laufe in den Liebethaler Grund ein und dort zischt und schäumt die Weseritz, so dass ich das Gefühl habe, als würde es regnen. Doch es täuscht, aber eines ist keine Fatamorgana- Plötzlich steht an der Lochmühle ein Bauzaun quer und ein Schild -gesperrt wegen Einsturzgefahr- ich lauf doch jetzt nicht zurück und bei km 70 noch ne Umleitung. Scheiss auf Einsturzgefahr denk ich mir, wird schon nicht gleich was passieren. Schwubs, es war ja nur der Durchgang an der Mühle und Bingo ich stehe am Richard Wagner Denkmal um 19:27 und 71 km und 2.230 Höhenmetern. 12 Stunden  und 54 Minuten mit den Genusspausen ganz ordentlich. Wolfgang Finke hängt in Graupa und steigt aus, er fährt zurück, bietet aber an, mich trotzdem vom Blauen Wunder zu fahren. Kerstin will auf Graupa zu in meine Richtung weiter laufen. Beim Ausstieg aus dem Liebethaler Grund ist die Ausschilderung wieder eine Katastrophe und ich irre etwas hin und her. Nach einem Hilfsversuch mit einem Herrn an der Kneipe in Liebethal muss ich mich doch wieder selbst entscheiden und so treffe ich kurz vor 20:00 Kerstin dann bei km 74 in Bornewitz.
Nach kurzer Abstimmung, bis wohin wir denn jetzt noch laufen, stimmen wir erstmal mit Wolfgang ab, dass dieser in Pillnitz warten soll. Doch als dann bei ca. km 76/77 in Graupa meine Fenix ausstieg und ich wusste dass ich meinen letzten Zug verpasse, wenn ich jetzt nicht die Reißleine ziehe,entschieden wir uns, Wolfgang doch nach Graupa zu bitten. So endet ein erfolgreicher Ultratrail nach knapp 77 km etwas früher als geplant, aber ich bin zufriedener als je zu vor, denn ich bin noch voll fit und hätte es heute auch noch bis 110 gemacht. Ich danke Kerstin undWolfgang für den spontanen Entschluss- mir ein Stück entgegen zu laufen und Wolfgang für die Fahrt zum  Hauptbahnhof nach Dresden. Wir tranken noch gemütlich ein Bier im Sparexpress. Der Höhepunkt war, als ich um 22:00 im Zug sass und mir einfiel, dass ich ja noch meine Wechselsachen im Schließfach hatte. Ich raus-nur mit dem Schlüssel bewaffnet – Abfahrt 22:17 und zum schließfach- da stand jetzt 3 Euro nachzahlen, ich lauf wieder los, nehme mit 2 Euro und 6 20 cent- Stücke und rase wieder zum Schließfach. Jetzt nimmt das Scheißding nur bis 50 cent-Stücke. Kurz schalten- ab in den Sparexpress- habt Ihr mal 1 Euro Stück. Wir kommen nicht in die Kasse. Na dann verkauft mir doch was für 20 cent. Haben wir nix- ach doch, sagte das Mädel, ne Schachtel Streichhölzer. 20170225_221538Tata- Ich mit den 3 Euro im Schnelllauf zum Schließfach, Beutel raus, ab in den Zug- 20:12. 20170301_StreichholzIch öffne mein Zielbier, schau auf meine Schuh und die Schachtel Streichhölzer und schreibe meiner Frau, dass ich im Zug sitze.
20170226_101332Auf der Fahrt öffne ich die Knoten meiner BefestigungsKonstruktion an den Gamaschen. Wie Ihr seht, sind die trotz der anspruchsvollen Strecke noch nicht durchgescheuert. Ich sollte das zum Patent anmelden.
Ein genialer Ultra geht zu Ende und ich weiß bereits die nächste Tour im Groben- am 25.03.2016 gehts entlang der Kriebsteintalsperre und über die Bankrottmeile.
Ich danke allen für die Unterstützung, vor allem meiner Skatermaus und natürlich meinem Körper, der sich bestimmt für die veränderte Ernährung und das Laufen nach Gefühl und die Gespräche mit ihm bedankt hat. ich wünsche Euch viele Spass auf den Trails dieser Welt und Danke für das Lesen unserer Seite und Kerstin und Wolfgang nochmal für die spontan Begleitung.
Ich danke auch für die Möglichkeit diesen Blog zu schreiben, denn beim Schreiben erlebst Du den Ultratrail gleich noch einmal.

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