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Ultra 02/2016- Waldheim- Kriebstein- Stauchitz 28.02.2016

28.02.2016 Nach dem gestrigen Nachtlauf durch´s Brandenburger Tor stand ich schon 05:50 auf. Die traditionelle Unterwegsversorgung musste gepackt werden. Specialgetränk in die Trinkblase- Apfelsaft, frisch gemahlenes Himalajasalz, Honig, Wasser. Zwei selbst gebackene Brote mit Leberwurst und frischen Sprossen- die wurden natürlich vakuumverpackt. 5 kleine gekochte Kartoffeln mit Salz in eine Gefriertüte. Gesalzene Nüsse mit Rosinen und Aroniabeeren. 2 Mandarinen, 1 Apfel alles in den Rucksack mit dem Schweizer Messer, eine Rolle Pflaster, paar natural Riegel und ein Wechselshirt.
Ina war schon ganz kribbelig, was meine neue Begleiterin an den Füßen sein sollte- die neue X-Talon 200 von INOV-8. Fahrkarte online gebucht, mit meiner Perle gefrühstückt, ordentlich Vollkornbrot mit frischen Sprossen und das obligatorische Glas Chiasamen-gel. Dann war Start um 08:41 Zug von Riesa nach Waldheim. Dort ging´s gleich lustig an den Start auf die Bankrottmeile. Wer wissen will, was das bedeutet- kann das unter dem Link nochmal näher nachlesen, denn Laufen bildet ja auch. Zumindest lerne ich auf den langen Läufen immer so einiges, denn ich bin ja Genussläufer. Die Bankrottmeile geht immerhin auf eine Bankrotterklärung des Eisenbahnprojekts aus dem Jahre 1850 zurück, bei dem auf 7,5 km immerhin 6 Brückenviadukte gebaut wurden- wirtschaftlichen Schwachsinn gab es halt schon immer.
Vom Bahnhof ging´s erst mal steil nach unten bis zur Zschopau, um auf dem Zschopautalweg den Ultra durchzustarten. ultra201602_dasfreestilestückIn knapp 6 km erreichte ich über einen kleinen Umweg mit steilem- bis zu 20%- Freestileanstieg außerhalb von Wegen den Parkplatz oberhalb der Burg Kriebstein. Hier merkst Du dann wieder, dass sich Dein Orientierungsgefühl wieder eingestellt hat. Genau das Stück gibt im nachhinein demTrail einen besonderen Kick. Die Burg lies ich links liegen und lief wieder hinunter zur Gaststättenanlage an der Talsperre, an der es um diese (Tages- und Jahres-) Zeit noch total menschenleer war. Jetzt ging der Trail erst so richtig los. Entlang der Kriebsteintalsperre geht es hier steil auf und ab, herrliche Landschaften, Naturtreppen, steinige, naja fast felsige Abschnitte, Laub, Wasser, schlammig etwas  trailisch halt vom Feinsten. Herrlich wie  die Musik des Waldes mit Gezwitscher und Geklopfe begleitet.
Auf einen kleinen Ableger Richtung Mittweida gings dann wieder richtig bergan mit bis zu 20%. Dort traf ich auch einen coolen Typen,der wandernd unterwegs war und den ich nochmal fragen konnte, ob ich mich noch auf dem rechten Pfad befand. Nach dem kurzen Schnack gehts  hinunter nach Ringethal entlang an der via mala bis zur Brücke über die Zschopau und weiter auf der anderen Seite entlang dem Zschopautalweg, bevor es wieder mit mehr als 20% hinauf geht zu den Überresten des Raubschloss auf der anderen Seite des Wappenfelsens. Jetzt weiss ich auch das es eine Spornburg ist, Laufen bildet eben auch. Da sind dann schon mal 19,8 km und 568 Höhenmeter auf der Uhr. In herrlicher Sonne und bei wunderbarem Ausblick gibt es die erste Verpflegungspause. Ich schneide das erste Brot aus seiner Vakuumhülle und freue mich, wie geil das Traillaufen doch ist.
So steil wie es hier hoch ging, geht es noch steiler mit teilweise 27 % auch wieder bergab. Hier macht sich Ina´s Sohle besonders bezahlt und  ich bin froh, auf INOV-8 umgestiegen zu sein.
Entlang dem Gewässer geht es dann auf dieser Seite der Talsperre etwas relaxter voran und an der Staumauer sind dann schon knapp 30 km und ca. 700HM auf der Uhr. IMAG2351Im Nachhinein ist genau hier schon die Strecke für den April- Ultra klar. Ich werde diese Runde 2 X laufen und die Bankrottmeile mit einbauen. Letztere wandere  ich demnächst mit meiner Skatermaus ab- wird bestimmt geil, über sechs Brückenviadukte zu wandern.
Vor mir liegen jetzt noch „schlappe“ 50 km- die mich noch an die Grenzen meiner mentalen  Leistungsbereitschaft bringen sollen. Jetzt geht es über einige festeren Wege, Straßen und Feldwegeüber Ehrenberg, Grünlichtenberg Richtung Greifendorf. Hier macht sich mein „hightech“Streckenplan sehr bezahlt,denn sonst findest Du die Strecke hier nur schwer.
Auf einer Strasse auf dem Weg dorthin treffe ich zum Glück nochmal eine Frau, die mir die Strecke Richtung Greifendorf erklären kann und ich  muss nochmal einen 1/2 km zurück. Danach halte ich in der Prärie nochmal  einen LKW an, um mir sicher zu sein, dass ich in die richtige Richtung laufe. An einer Kreuzung kann ich mich nur auf mein Gefühl verlassen, denn eine online-Verbindung habe ich hier nicht. Mein wiedererwachter Orientierungssinn verlässt mich jedoch nicht. So gönne ich mir bei KM 37,5 im Schmiedelandhaus in Greifendorf ein schönes Weizen. Ich bin ja schließlich Genussläufer und ich weiss, dass es jetzt Richtung Rubinberg, Klatschwald, Kaiserbach noch ein paar Anstiege zu bewältigen gibt. Mit den beiden Frauen kann ich einen schönen Schwatz machen und weiß so, dass die eine Gern strickt, was sie dann auch in der urigsten Gaststube auch macht und die jüngere von beiden in Kürze ihre Ausbildung im Adlon in Berlin beginnt. Wir tauschen noch einiges über gesunde Ernährung, selbstgebackenes Brot und frisch gezogene Spossen aus und dann bin ich auch schon wieder auf der Tour Richtung Rubinberg. Lustig war auf jeden Fall, dass die beiden Damen nicht wussten, wo der Weg am Rubinberg lang geht, obwohl dieser gerade 50 m vom Gasthaus beginnt. Doch das haben wir schon oft in anderen Gegenden erlebt. Das Haus ist zu empfehlen, aber Ihr solltet vorher bestellen, denn in anderen Jahreszeiten ist snst kein Platz zu bekommen.
Jetzt wird es landschaftlich wieder reizvoller, entlang des Klatschbach und später der Striegis und dem Kaiserbach, kurz vor letzterem frage ich nochmal an einem Gehöft nach dem rechten Weg und komme durch herrlich, idyllische Niederungen am Kaiserbach bei Naußlitz am Waldgasthof zur Margarethenmühle an. Km 52 und 1026 Hm sind erreicht und ich gönne mir eine Verpflegungspause  mit einem isotonischem Getränk- Marke Weizen und fülle meine Reserven aus meiner Nüssetüte auf. Ich hätte auch noch ein paar Kartoffeln nehmen sollen, um spätere mentalen Einbrüchen vorzubeugen. Dieses Kleinod ist auch zu empfehlen- seit 1932 ununterbrochen in Familienbesitz, wie mir der Wirt nach seinem Auftauen dann erzählte, geht  die Geschichte bis ins Jahr 1555 zurück.
Wieder bestätigt sich, wie schön es doch ist, solche Touren einfach zu machen. Wenn Ihr noch ein paar mehr Bildeindrücke von der Stecke haben wollt, dann nutzt meinen Ordner von diesem Genussultra.  Der Wirt kann mir dann auch eine weitere Orientierung in Richtung Juchhöh geben. In Naußlitz selbst nehme ich noch einmal die Hilfe einer freundlichen Familie in Anspruch, bei denen ich den Mann in der Garage werkeln sah. Ab dann war die Stirnlampe bereits dringend notwendig.  Bei Jochhöh  erreichte ich den höchsten Punkt im letzten Abschnitt der Strecke und ab dann nahm mit dem bergab der Strecke auch meine mentale Stärke schrittweise ab. Irgendwo war der Tiefpunkt zwischen Maila, Birmenitz und Steudten bei km 65 auf einem Feldweg erreicht. Ich wusste, bis Riesa waren es noch ca. 25 km. bis Stauchitz noch ca. 10, dort gab es einen Haltepunkt und der nächste Zug sollte 20:59 fahren, der nächste erst 23:29. 10 km in 1 Stunde, mit 65 km in den Beinen. Ich versuchte nochmal etwas Tempo zu machen, was zumindest für 4 bis 5 km gelang, doch dann war klar- den Zug kannste knicken. Ich verpasste noch einen Abzweig auf einem Feldweg, bis ich den Zug in der Ferne fahren sah und merkte, dass  ich im Navi im Handy die Lautstärke auf leise geschalten hatte. Also noch mal 600 m zurück und dann die letzten tatsächlich quälend langsamen Kilometer bis Stauchitz. Ich motivierte mich damit, dass hoffentlich der Inhaber des Kochtempels mir doch noch etwas zu Essen machen würde,obwohl sich auf Grund der jetzt erreichten Geschwindigkeit abzeichnete, dass ich erst gegen 21:30 dort ankommen würde.Jedes Aufflackern erneuten Laufdrangs verebbte nach ca. 500 m und so war ich sichtlich erfreut, als ich den Kochtempel erreichte.
Es ist erstaunlich, wie schnell die Strapazen verfliegen, wenn Du zum Abschluss eines solchen wahrlichen Genusslaufes noch ein echtes Gourmetessen kredenzt bekommst. Übrigens gabs Weissfisch und passend zur nächtlichen Stunde wars ein Sternengucker- aus der Familie der Barschverwandten. Geil, oder? erst Laufen unter dem Sternenhimmel und dann isst Du noch einen Sternengucker vom Sternekoch Marko Ullrich- ist das noch zu toppen?  Die Beiden haben sich tatsächlich so liebevoll um mich bemüht, was ich nicht in meinen kühnsten Vorstellungen erwartet hatte. Auch dieses Kleinod ist wärmstens zu empfehlen. Als ich dann um 23:29 im Zug nach Riesa saß, auf 75,8 km und 1.332 Höhenmeter zurückblickte und kurz nach Mitternacht in meinem Salzbad, waren alle Strapazen schnell unwichtig und die Erinnerungen an diesen wunderschönen Genusstrail traten immer wieder in den Vordergrund. Wenn Ihr die Strecke mal laufen wollt, dann habt Ihr hier mal einen kleinen Eindruck.
Ich danke allen an der Strecke für die Erlebnisse und menschlichen Begegnungen und vor allen meiner lieben Frau, die es immer wieder schafft,  meine ausufernden Laufideen zu unterstützen.
Ich liebe Dich.

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