um ZEIT ZU er LEBEN

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45. Rennsteiglauf Supermarathon 74,5 km die 3.

Der Dritte über den langen Kanten ging schon mit neuer Grundlage. Es war der erste Start nach Beginn des Selbsttest Natürliche Gesundung. Zusätzlich ging ich mit Uta an den Start- meiner Neuen. Naja- ich wurde doch als Laufschuhtester von Salomon ausgewählt, den neuen Sense Marin Trail Running zu testen. Seit 16.05.17 habe ich den ja schon auf paar Kilometern vorgecheckt. Den Laufschuhtest könnt Ihr hier noch nachlesen. 
19.05.2017 ca. 16:00– ich bin in Eisenach angekommen und nehme meine Parkposition auf dem für die Teilnehmer reserviertem Parkplatz ein. Dann starte ich gleich durch und hole meine Startunterlagen im Orgbüro. Alles wieder perfekt organisiert und die Mädels und Jungs sind dort echt voll gut drauf. Diesmal hatte ich ja verpeilt, meine Startnummer 1252 rechtzeitig zu reservieren. So starte ich diesmal eben mit der 1516- ist ja auch markant.
Dann gehts gleich auf den Marktplatz ins Festzelt- von hier wird´s morgen früh losgehen. Kurze Kontaktaufnahme mit Kerstin Licht-Schwieck und Ihrem Gunnar Schwan– die waren auch gerade die Startunterlagen holen. Ich nehme meine Powerklöse mit Rotkohl und Gulasch ein und genehmige mir noch ein Köstritzer Kellerbier.  Kurzes Treffen mit Kerstin und Gunnar und gegen 20:00 mache ich mich auf in Richtung Schlafplatz Passat. Vorher fasse ich noch eine traditionelle Thüringer Rostbratwurst nach und nehme mir noch ne Flasche Kellerbier als Einschlaftrunk mit. Klamotten bereit legen und ich bin gerade fertig, da beginnt der Himmel seine Schleussen zu öffnen und es schüttet wie aus Wasserfällen. Ich entschließe mich, komplett kurz zu laufen, wenn es jetzt so schüttet, wird es mit Sicherheit ein geniales Laaufwetter. Ich schlafe wie ein Murmeltier- Wecker auf 05:00 Uhr. Doch ich benötige diesen nicht.
20.05.17 ich wache gegen 04:45 vollkommen relaxt auf- mache nochmal intensive Wadenmassagen, Rolle auf einem Müllbeutel auf meinen kleinen Blackrolls meine Füsse aus. Den Transponder für die Zeitmessung binde ich mir diesmal an den Knöchel, denn ich will vor der Zielgasse die Schuhe ausziehen um Barfuß ins ziel einzulaufen. Es folgt morgendliche Wasserritual und ich zieh mir meinen leckeren Smothie rein. Bingo- 05:25 startklar und ab gehts zum Start. Noch die rituelle Morgenkoitüte in der Dixi-ecke. Dann zieh ich mir meinen vorbereiteten Müllsack über, um bis zum Start nicht auszukühlen. Der Regen hat die Temperaturen auf einstellig gefahren.

Das Grinzen auf dem Gesicht ist nicht zu übersehen

Schon sind nur noch drei Minuten bis Countown. Ich hatte noch nicht mal meine Fenix gestartet. Ich stehe wie immer in den ersten drei Startreihen, damit ichmich nicht mit dem Läuferpulk auf den Rennsteig quälen muss. Schon heisst es 10,9….. Meine Uhr hat noch nicht mal den Kontakt zum Satelliten…3,2,1 Ole´, Ole´Ole´da gehts schon wieder los.
Aus der ersten Reihe gehts zwar gleich richtig flott raus aus der Stadt zum ersten Anstieg, aber so muss ich nicht erst langsam mit dem Feld in Fahrt kommen. Meine Fenix kann ich dann erst nach den ersten 100 m starten, als endlich der Satellit geortet ist. Die Kühle war hier richtig angenehm und die ersten Kilometer lag die Strecke noch teilweise im Nebel.
Ziel diesmal- lauf die ersten 26 km so im 05:40iger pace, dann hast Du auf dem Grossen Winterberg die ersten 1.000 HM schon im Kasten und kannst bis zur Grenzwiese bissl zulegen. Klappt auch alles perfekt. Irgendwie komme ich die Anstiege wirklich scheinbar schwebend hinauf. Ich kann sogar teilweise die Nasenatmung einhalten.  Zwischendurch grüsst mich Katja von der Burg am Wegesrand- sie läuft diesmal selbst nicht mit. Dadurch bekomme ich aber den schönen Schnappschuss für das Titelbild von Ihr. Danke Katja- der Chefin von www.projecter.de.
Trotz der ordentlichen Anstiege auf den ersten Kilometern bis zum Inselsberg lag ich sehr gut in der Zeit und war nach 2:35:51 schon oben und damit sogar 08:17 min schneller als beim ersten Start 2015 und über 20 min. Ich war echt gut drauf. Meine heimliche Zielzeit von 07:00:00 lag hier noch im Bereich des möglichen, wenn gleich ich hier bei einem Pace im Schnitt von 06:11 lag. Doch das erste Stück geht ja auch ordentlich rauf. Jetzt konnte ich gegenüber 2015 sogar noch zulegen und erreichte bei km 37 nach 03:50:55 und 12:01 min schneller als 2015 und 40 min schneller als 2016 die Ebertswiese. An den Verpflegungstellen hatte ich bis hierher nur Wasser, paar

Einer der freundlichen Mitläufer machte diesen Schnappschuss

Apfelstücke und ein paar Bananen zu mir genommen. Ich war weiter guter Dinge und gut in Schwung. Was mir aber auffiel, ich hatte kein Bedürfnis mein selbstgemachtes Fruchtgel zu mir zu nehmen- ich muss das konsequenter machen, dann gibt es auch die Energie, die ich in der Zwischenzeit verbraucht hatte.  Ich nahm an einem der Verpflegungspunkte einen Schluck des guten Haferschleims. Es war wie immer traumhaft, wie die Mädels und Jungs hier alles geben, um uns Läufern die notwendige Unterstützung zu geben. Ich danke auch hier nochmal den

Schmücke es geht abwärts- fast

vielen fleissigen Helferlein.
Irgendwie wurde ich danach jedoch langsamer, obwohl die Anstiege doch hinter mir lagen. Ich kam zwar am Grenzadler bei km 54 nach 05:57:49 an,  noch 4 :25 min schneller als 2015, doch ich hatte gegenüber 2015 diese 17 km deutlich langsamer zurückgelegt.
So richtig erklären konnte ich es mir nicht, es ging etwas beschwerlicher. Im Kopf ging schon wieder der Einteilermodus los. Es sind ja nur noch 2 X 20 km, oder besser, noch 5 km dann sind es nur noch 3 X 5 km. Ich nahm ein Stück meiner 82 %igen Schokolade, doch die wollte einfach nicht im Mund zergehen, die klebte wie Atze. Zumindest brachte meine Körnermischung aus Sonnenblumen, Kürbiskernen, Buchweizen und Rosinen wertvolle Clukose in die Blutbahn. Weiteren Schub bringen auch immer wieder die Rasseln und Musikkapellen am Wegesrand, die lieben Zurufe.  Bis zur Schmücke die 10 km bin ich deutlich dann langsamer geworden und bin auch ein paar Meterchen gegangen und kam dort bei km 64 nach 07:24:52 an- jetzt war ich schon 04:11 min langsamer als 2015, was ich im Nachhinein feststellte.
Im Grunde wollte ich in meinen kühnsten Träumen ja schon seit 25 Minuten im Ziel sein.  Ich muss also noch einiges an meiner Ausdauer an langen Anstiegen tun. Ich war jedoch grundlegend fit. Ich hatte mir etwas mehr an Pause gegönnt, als ich im Vorfeld tatsächlich geplant hatte. Doch wie es so ist, wenn das heimliche Ziel nicht mehr zu erreichen ist, ruppst Du Dir den Arsch eben doch nicht mehr so auf. Obwohl- auf den letzten 9,5 km zog ich das Tempo noch einmal deutlich an und lief wieder im 05er und 06er Pace.
Klar war auch, dass ich mir diesmal am Bierfleck ein Becherchen des köstlichen Schwarzbiers gönne.

Zieleinlauf Barfuß und Gänsehautfeeling deutlich zu sehen

Gänsehautfeeling beim Zieleinlauf

Auf den letzten 5 Kilometern geht´s  dann nochmal ein Stück bergan. Obwohl mich ein Läufer zu motivieren versuchte, diesen Anstieg doch einfach noch durchzuziehen, ging ich hier nochmals ins Walktempo über.
Ich hatte nur noch eins im Kopf. Vor der Zielgasse ziehst Du Deine Testschuhe aus und läufst Barfuß nach 73 km die letzten 500 m ins Ziel. Eine neue Tradition:

wer mich 70- 100 oder mehr Kilometer zuverlässig durch die Ultras trägt, den kannst Du auch die letzten 500 m mal auf Händen ins Ziel tragen und Barfuß ins Ziel laufen

Das war nochmal so ein Schub, der mich schon beim Ausziehen der Schuhe einen leichten Freudenschauer über den ganzen Körper rieseln lies. Dann lief ich ein, die Schuhe in der Hand und unglaublich ergoss sich wieder dieser Freudentaumel wie eine innere Dusche durch meinen ganzen Körper. Auf dem Foto sind die zu Berge stehenden Haare auf den Unterarmen sehr deutlich zu erkennen- ein Gefühl, das durch fast nichts zu ersetzen ist.
Ein Bild im Ziel wollte ich mir noch machen lassen, leider hatte der Akku vom Handy den Geist aufgegeben. Hoffentlich hat wenigstens einer auf den Auslöser gedrückt, damit ich ein Foto vom Barfusseinlauf bekomme. Jetzt war´s schon 14:30.
Also fix den Beutel auf der Zielwiese holen, mein Zielbier fassen und ab in Richtung Bus nach Eisenach, denn wir wollen heute abend noch zur Ü30 Party. Nach einem kurzen Nickerchen im Bus, zog ich die ca. 250 km auf der Autobahn noch durch und kam trotz eines Kurzstopps durch einen Unfall rechtzeitig an.
Den Gang zur Ü30 haben wir dann auch durchgezogen, somit ist also selbst nach 73,5 km noch nicht alles Pulver verschossen.
Irgendwie scheint sich die Umstellung in der Ernährung also auszuwirken und ich bin gespannt, wie der 100km Thüringen Ultra am 01. Juli sich anfühlt.
Am Tag danach gabs ne „Entspannungsrunde“ über 35 km auf Skatern- irgendwie muss der Körper mit solchen Strecken ganz gut zurecht kommen. Es hat sich was bewegt in den letzten 12 Monaten und ich bin wie immer verletzungsfrei und nicht ausgelaugt angekommen. Genau das war ja das Ziel des Selbsttests Natürliche Gesundung. Es wirkt.

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