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Ultra 8/2016 Zschopautalweg 75 km Erdmannsdorf- Fichtelberg

Die Fenix 220160806_04543620160806_051522 hatte sich noch garnicht gemeldet und ich war schon wach- 04:53 Uhr- so früh stehst Du nur auf, wenn Du gezwungen wirst, oder wenn Du Dich auf etwas Besonderes freust. Also Aufstehen- Kaffeemaschine anstellen, Milch aufschäumen und los ging´s mit einer schönen Latte Macchiatto. Ich liebe es besonders, vor einem Ultra noch ganz relaxt zu frühstücken.
Trinkrucksack war schon fertig, gekochte Kartoffeln mit Salz, 2 Birnen, Edelnussmischung mit Rosinen, Zwei Samen-/Nussbrote mit Leberwurst und Sprossen- vakuumverpackt, eine leichte Windjacke und sonst nur x-bionics kurz und die INOV8  Utra Race- etwas Geld, Bankcard, Krankenkarte, Ausweis. Ich haben fertig den 2. Angriff auf den Fichtelberg20160806Ultra_Zschopautalweg.
Werner Gansohr hatte sich angeboten, mich auf  dem Mountainbike zu begleiten und auch das avisierte Höhenprofil von etwas über 2.000 HM (durch klick auf das Profil findet Ihr die Strecke auf gpies.com incl. gps-download) und die geplante Gesamtstrecke von ca. 75 km hatten ihn, für mich zum Glück, nicht davon abhalten können, diese besondere  Tour mit mir zu starten. Ich hatte zumindest gesagt- dass es nicht einfach, dafür landschaftlich mehr als reizvoll wird.
20160806_07120006:00 Uhr war er pünktlich da und so standen wir startbereit um 07:14 Uhr vor der Talstation 20160806StartAugustusburg2kmder Drahtseilbahn in Erdmannsdorf zum ersten Aufstieg auf die Augustusburg. Meine Fenix 2 brauchte einige Minuten um die Verbindung zum Orbit zu bekommen- so konnte mein Begleiter wenigstens ein paar Meter Vorsprung herausfahren- 20160806_074320denn es sollte gleich auf den ersten 2 km fast 300 m nach oben gehen. Ich hatte ja vorher gewarnt. Für einen Ungeübten ist das natürlich gleich in bisschen der Hammer- um so schöner war es, als wir oben diese erste „Erwärmung“ mit dem Einzug in eine der schönsten Schlösser Sachsens der Augustusburg abschließen konnten.
Noch steiler als hinauf geht es von da sehr stark abfallend ins Zschopautal, teilweise Singltrails, steinig, Wurzelwege- ein Genuss für den Trailrunner und ich schwebte förmlich hinunter- abschnittsweise im 4er pace. Der beginnende Tag leuchtete durch 20160806_MorgenerwachenbeimUltradie dichten Bäume und ich freute mich schon auf die noch vor mir liegenden Streckenabschnitte. Für meinen Radbegleiter war es natürlich eine Tortur. Wer diese Strecke mit  dem Mountainbike zurücklegen will, sollte auf jeden Fall gut geübt sein und das Rad über Scheibenbremsen verfügen.
20160806_083510Ich fühlte mich genial und hatte echt einen sehr flotten Schritt drauf, trotz des schon sehr anspruchsvollen Geländes. Die wundervolle grüne Landschaft brachte meinen Begleiter wieder in Stimmung, er war erstaunt über diese Kleinode der Natur in unmittelbarer N20160806_084548ähe.
In Wilschdorf geht es dann das erste mal über die Zschopau und ohne große Pause auf der anderen Seite der Zschopau wieder ordentlich bergan. Ich bin das ja inzwischen gewöhnt, doch als Ungeübter und mit dem Rad geht das schon an die Substanz, zumal das Rad
teilweise getragen werden muss- Der Trailrunner ist hier zweifelsfrei im Vorteil.
Bei km 12,5 gab´s auch noch eine ungeplante Abweichung vom Weg, denn die zugewachsenen Wege ließen keinen Blick auf die  Beschilderung frei- die frei Nase gewählte Route durch die Wiesen am Waldesrand war 20160806_094016wundervoll, dafür jedoch auch noch sehr nass nach den Regenfällen der letzten Tage. Meine inov8 waren nach den folgenden km schnell wieder trocken. Mein Begleiter fand diese Form der Herausforderung sicher etwas belastender. Nach den nächsten Anstiegen
erreichten wir bei ca. km 15,5 Zschopau und dort das Schloss Wildeck. Ich schwebte förmlich auf den Schloßhof und gönnte mir einen kurzen Sitz auf einer der MZ aus der ehemaligen Motorradschmiede der Stadt. Werner sagte mir an dieser Stelle, 20160806_094833ich solle den Plan B ins Auge fassen. Er fährt jetzt im Tal weiter. Wir machten uns unseren nächsten Treff im Schloss Wolkenstein Nähe Warmbad aus. Wir starteten somit jeder  seiner Wege weiter. Für den Trailrunner wie mich ja kein Problem. nach einem letzten Blick auf Schloß Wildeck und überwinden weiterer Höhenmeter tauchte ich erneut ein in die sagenhaft schöne Landschaft des traumhaften Zschopautales. Wenn Ihr auf nebenstehendes Bild von Schloss Wildeck klickt, findet Ihr den kompletten Ordner mit Fotoeindrücken der gesamten Strecke ( Klickt oben rechts auf die drei senkrechten Punkte und dann auf Diashow und genießt die Eindrücke- die das Gefühl in der Realität kaum im Ansatz wiedergeben können.)
Ich spürte keinerlei Belastungserscheinungen. Was ist da nur passiert in den letzten Monaten und Jahren mit meinem Körper. An einem der nächsten Wegweiser war es sogar eine Freude zu lesen- nur noch 52 km bis zum Fichtelberg. Vorbei geht es an Schloss Scharfenberg bei km 23 immer entlang der Zschopau und in Hopfgarten erneut steil hinaus in den Wald.
Du brauchst auch 20160806_waldfriedenWolkensteinclimp29_9Proweder einen VP (Verpflegungspunkt) noch irgendeinen Streckenposten. Nur Deine wachen Blicke, um alles zu genießen, von Pilzen mitten auf dem Trail, über wundervolle Pflanzen, Rehe, Pferde, Adler- die über Dir kreisen, Stromschnellen und Wehre, oder den Stülpner Brunnen, an dem ich einfach aus der Hand einige Züge kühles Wasser trank und natürlich immer wieder vorhandenen Herausforderungen wie kurz nach Warmbad. Erstens war ich dort wieder einfach frei Schnauze gelaufen und stand plötzlich mitten im Dickicht.
Ich hörte ein paar Autos im Tale und wusste, dass ist ungefähr die  Richtung und lief dem Geräusch nach. Ich musste an der Strasse zwar zwei Mauern hinab springen, dafür war ich jedoch nur ca. 300 m 20160806_120845von der Stelle aus dem Wald gekommen, an der die nächste Herausforderung kurz vor Schloss  Wolkenstein auf mich wartete. Am Gasthaus Waldfrieden geht es ordentlich mit ca. 30 % bergan, bevor ich einen km später vor  Schloß Wolkenstein stehe und meinen Begleiter Werner im Hof wieder treffe. Der wechselte gerade sein Shirt. Ich gönnte mir in der herrlich historischen Burgkneipe das zum Bier des Jahres gekrönte Weizen- Ale sehr fruchtig. Meine Tischnachbarin war auch nicht zu verachten, wie Ihr unschwer erkennen könnt.  😆 . Der Hauptmann vom Burgregiment füllte meine Trinkblase nochmal auf- da ging es wieder los.
Werner verabschiedete sich hier erstmal von mir. Da er das Streckenprofil von mir kannte, konnte er sich bildlich vorstellen, was auf den nächsten 40 km noch zu erwarten war. Immerhin waren es von hier zurück zum Start auch noch über 30 km und er sollte auch auf über 1.600 Höhenmeter kommen. Dafür wollte er mich aber in Oberwiesental abholen. Wir umquerten 20160806_124041noch gemeinsam die Burg zum Eintritt zur Wolkenssteiner Schweiz- dann war ich wieder auf mich allein gestellt und musste mich durch die Wolfsschlucht wagen. Doch diese hat den Namen eher durch den heulenden Wind erhalten, der durch die steilen Felsen fauchen kann. Mehr Bilder wie gesagt im beigefügten Ordner, den ich auch hinter das Bild aus der  Wolfsschlucht nochmals  hinterlegt habe.
Von hier geht es einige km gemächlicher durch das Zschopautal direkt am Fluss entlang immer weiter Flussaufwärts, aber noch oder endlich mal etwas gemächlicher. Vorbei an Blutwurstfelsen und Schokoladenfelsen bis zum ältesten Bauwerk dem Paßklausenturm bei Tannenberg. Irgendwo dort nahm ich meine Kartoffeln ein und kam mit einem älteren Wandererehepaar ins Gespräch. Die konnten kaum glauben, dass ich schon seit 7:00 Uhr von Erdmannsdorf  unterwegs bin und sogar noch auf den Fichtelberg wolle. Doch von hier waren es doch „nur“ noch etwa 20 km.
Diese sollten es jedoch noch in sich haben. Vorher lief ich jedoch noch im Schloßpark Schlettau ein und gönnte mir  ein isotonisches Getränk. Im Weizen ist ja alles drin was ein Ultra braucht.
Bei km 60 konnte ich in Crottendorf im NETTO zum Glück noch einmal meinen Trinkrucksack auffüllen und einige Nüsse reinziehen. Dies war auch dringend notwendig, denn ich hatte mal kurzzeitig ein leichtes Schwindelgefühl im Kopf und ein paar Sterne schienen um den selben auch zu kreisen. Ich war aber sonst voll fit, wie  Du eben nach so einer Strecke sein kannst und sah den letzten Anstiegen schon entgegen. 20160806_Last7totheHighestpointclimp7PercentIch konnte kaum glauben, was mir da noch bevor  stand, denn die Uhr zeigte „erst“ ca. 1.350 HM. Das merkte ich jedoch spätestens beim Eintritt ins Fichtelberggebiet bei ca. km 65. 20160806_GipfelmitKeilbergblickIch sah nur noch lang gezogene, teils mit Schotter übersäte Wege vor mir, an deren Ende es nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels zu sehen gab. Diese letzten 7 km vor dem Gipfel boten nochmal im Schnitt 7 % Steigung, Abschnittweise zum Schluss nochmal knapp 25%, ich brauchte dafür ca. 1:20 h und als ich oben war, standen tatsächlich die geplanten 2.021 HM auf der Uhr.
Dort oben schien es kühler zu sein, denn mir kam ein junges Ehepaar, neben etlichen Mountainbikern, entgegen, die sogar Mütze und dicke Jacken an hatten.
Ich schlauchte die letzten km ganz schön hoch. Ich bin immer 500 m gegangen und einen km gerannt und schickte von jeder Höhenmeterangabe an den Schutzhütten meinem Begleiter ein Bild.
Das verrückteste wahr jedoch als ich oben angekommen in der Ferne den Keilberg sah- siehe im Hintergrund des nebenstehenden Gipfelwegweisers. Ich dachte selbst, ich bin wahrscheinlich wirklich bekloppt, doch ich dachte, den nimmst Du als nächstes in Angriff. Laufen ist eben doch irgendwie geil.
Von hier oben nahm ich den direktesten Weg unmittelbar an der Seilbahn runter. Das war zwar irre  steil und das letzte Stück noch eine Wurzelweg, aber es war die kürzeste Variante. Mein Freund Werner war auf mein Zeichen, dass ich direkt an der Seilbahn runter komme, auch direkt dort hin gekommen. Ich stieß einen riesigen Freudenschrei aus. Ich habe den Zschopautalweg wie die Lachse flussaufwärts gerockt. Dieser Trail ist eine absolute Augenweide.Nehmt ihn, Ihr werdet es lieben. Ich komme auch gerne nochmal mit.

An dieser Stelle nochmal Danke an meine liebe Skatermaus, die mich bei meinem Hobby so tatkräftig unterstützt. Dank auch an Werner, ohne den ich die Rückfahrt nicht hinbekommen hätte.
Verrückt ist auch, dass ich kaum Nachwehen habe. Wir sind am nächsten Tag noch ne schöne relaxte 27 km Runde geskatet. Etwas verspüre ich Spannungen in den Fußballen und Schienenbeinen und ansonsten nur die Vorfreude vor dem nächsten Ultra.

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