um ZEIT ZU er LEBEN

Wir sehen die Welt mit eigenen Augen

im LEBEN angekommen

Ich lasse Euch heute an einem Erlebnis teilhaben, was ich beim morgendlichen Lauf erleben durfte.
Heute am 07.04.2017 hatte ich beim morgendlichen Lauf nahezu unbeschreibliche Eingebungen. 
Ich laufe um 05:20 los- bin gerade in meiner 4 X 12 Challenge, das heisst ich laufe alle 12 Stunden und das 4 X und schaue, wie der Körper regiert. Heute ist 2/4, 7 Grad, bewölkt und noch voll Dunkel.
Für alle, die meine Eindrücke lieber anhören wollen, habe ich diese im nachfolgenden audio selbst gelesen.  Viel Spass beim Hören oder selbst lesen, ca. 9 Minuten Zeit werdet Ihr jedoch brauchen. Bilder findet Ihr im Video weiter unten.

Ich starte und laufe bewusst mal unter den Laternen die ersten knapp 3 km Richtung Oelsitz einfach den Weg an der Straße entlang. Es zschilpt und zwitschert, es ist einfach eine Freude. Es ist noch recht kühl, doch irgendwie schwebe ich förmlich dahin. Es ist traumhaft, so früh zu laufen. Ganz vereinzelt übertönen die ersten Autos manchmal das Konzert der Vögel. Es ist schon seltsam, dass es Menschen gibt, die so früh hinausfahren müssen, um zu arbeiten. Gestern nachmittag sagte mir ein Bekannter, früh um 5 Uhr loszulaufen, das will der einfach nicht. Komisch, dass Menschen etwas nur tun, wenn sie es müssen.
In Oelsitz laufe ich am Bäcker Jung vorbei, wahrscheinlich werden hier in der nächsten halben Stunde die ersten ihre Brötchen holen. Die Autos werden mehr und lauter und ich biege zum Glück in der Ortmitte bei km 3,4 in die Jahnatalstraße und wenige Meter danach auf den Jahnatalweg Ri. Seerhausen. Einige Tropfen fallen mir ins Gesicht und lösen in mir etwas aus, dass ich so noch nicht beim Laufen erlebte.
Erst wird das Rauschen der Autos leiser und ich nehme den Gesang der erwachenden Vögel noch deutlicher wahr. Ich denke so voraus, irgendwann werden Elektroautos lautlos über die Straßen gleiten, doch die Menschen denken sich schon elektronische Geräusche aus, um die Fahrzeuge auch ja zu hören. An sich und das, was ihnen dabei verloren geht, denken sie dabei jedoch nicht. Genau in diesem Moment bei km 3,7  überkommt mich dann plötzlich dieses Glücksgefühl.
Mensch ich werde 100, was ich da noch alles an Veränderungen erleben werde und ich danke, 20170407_MorgenerwachenSeerhaussenwem auch immer, dass ich das alles erleben darf und ich habe auch dieses Gefühl der Dankbarkeit in mir, was ich an gigantischen Veränderungen und Erfahrungen erleben durfte- geboren im Jahr des Bau´s der Mauer 1961, gelebt in einer Zeit, in der Gemeinschaft noch viel Bedeutung hatte und dann; die Mauer persönlich mit abgerissen und die Freiheit an sich gerissen, die neue Form der grenzenlosen Gemeinschaft erschlossen und mit vollen Zügen alles Neue Unbekannte in uns aufgesogen und nie so wirklich vor etwas Angst haben müssen.
Ein Tropfen des Regens weckt plötzlich wie durch Zauberei das Bild meines Opas in mir wach, wie dieser die Prothese an seinen Beinstumpf schnallt, als Ersatz für das Bein, dass dieser im Krieg verlor. Ich spüre sogar den Geruch der schon abgenutzten Lederriemen in der Nase, mit denen mein Opa sein Ersatzbein am Stumpf unterhalb des Knies festzieht.
Ein Schauer kommt ganz tief unten aus mir heraus, überschwemmt meinen Körper wie eine Welle. Es fühlt sich an, als hätte im Innern jemand eine riesige Brause aufgedreht und das Wasser verbreitet sich plötzlich wie ein aufsteigender Wasserfall, es grippelt am ganzen Körper. Ich habe das Gefühl. meine Kopfhaut löst sich und dann ; rollen mir einfach Tränen aus den Augen über die Wangen. Ich kann es einfach nicht aufhalten.
Ich glaub, wir haben noch nie so wirkliche Probleme gehabt und ich danke dafür, dass ich mein ganzes Leben in Frieden leben konnte, meine liebe Frau fand und wir auch mit unserem Sohn trotz hunderter Kilometer  Entfernung ganz innig verbunden sind und für diesen Augenblick der Verbindung zu meinem Opa, der mir das alles heute morgen erleben lies. Plötzlich war er wieder da, genauso nah, wie unser Sohn. Wie entsteht nur so ein starkes, emotionales Bild?
Schon bin ich bei km 5,2 wieder zurück im hier und jetzt, überquere noch einmal kurz die B6 um danach bei km 5,6 einzutauchen in den Schlosspark Seerhausen.
Hier haut´s mich fast um von der Intensität des Konzertsaals der Natur und ich bin mir sicher, die Menschen werden dies niemals, in dieser Unerreichbarkeit, in den Konzertsälen dieser Welt nachahmen können. Der Frühling bricht dazu einfach aus sich heraus und ich habe das dringende Bedürfnis vor dieser Schönheit niederzuknien und ein paar Momente im Bild festzuhalten.
Bei km 7, am Ende des Schlossparks laufe ich vorbei an dem im Video festgehaltenen, bereits aufgestapelten Osterfeuer. Ob so manchem, beim Blick in die Flammen, in den Sinn kommen wird, sich selbst an diesem Tage noch einmal wieder zu gebären und endlich anzukommen- mitten  im LEBEN? 
Zurück zum Audiotext.

Zurück zum Audiotext. Von hier tragen mich meine Füße noch leichter, ich schwebe förmlich dahin und weiß ganz sicher, ich bin da, ich bin jetzt und hier endlich angekommen, mitten in meinem LEBEN ganz, ganz intensiv.
Der Tag ist inzwischen erwacht, als ich bei km 10  im Schloßpark Jahnishausen meine beiden Freunde Frieder und Friederike begrüße, die beiden Schwäne- wir kennen uns jetzt schon seit Jahren und, so scheint mir, den beiden geht es wie mir. Ganz von fern kommen sie angerauscht und halten kurz mit mir am Ufer inne. Wir sind alle im Kreis dieser Welt miteinander verbunden, meine Familie, mein Opa, die Schwäne, die Natur, der Regen.
Wie von Flügeln getragen stehe ich kurz vor 7 Uhr bei km 14,6 wieder zu Hause und bin so zufrieden mit mir- angekommen mitten im LEBEN und noch einmal rollt diese unbeschreibliche Begleiterin der Emotionen beim Schreiben dieser Zeilen über meine Wangen.
Es gibt eben Dinge, oder besser -nahezu Unbeschreibliche Besonderheiten, die uns verbinden und die sich nicht in Zahlen Daten Fakten erfassen und doch erLEBEN lassen.
Ich werde jede Minute auskosten und wünsch Euch allen, das Ihr diesen Moment einmal selbst erlebt. Bis bald

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