um ZEIT ZU er LEBEN

Wir sehen die Welt mit eigenen Augen

GenussUltra 2017/08 – Es war einmal in Amerika- der WunderFinderUltra

It´s Partytime

Hallo es geht looooos

Der Bericht vom besonderen GenussUltra– der offizielle WunderFinderUltra– warum erfahrt Ihr aber erst ganz am Schluss oder fast am Ende.
Wie immer könnt Ihr jedes Bild durch anklicken vergrößern, ich hoffe ich habe keins vergessen und ich habe diesmal auch die besonderen Erklärungspostcasts zu den StreckenHighlights beigfügt.

Frühstück vor dem Ultra

Viel Spass beim Lesen oder Nachlaufen- Geniessen und

 

 WunderFinden.  😀 

 

 

  • 05.08.2017 kurz vor 4:50 Uhr take off wieder kurz vorm ticken der Uhr- weil Frühstücken  für mich ultrawichtig ist-
  • 06:49 Start auf dem Bahnhof in Riesa – Richtung Ultra Start Chemnitz Hbf- Zeit noch ne Stunde zu relaxen
  • 07: 50 auf dem Bahnhof laufe ich Tilo

    Zwei völlig Durchgeknallte starten…

    entgegen und starte seinen WunschStartSong „Unter den Wolken“ der Toten Hosen über

    Bild direkt von B&O

    den extra zugelegten Bang Olufsen Beoplay2 Lautsprecher.
    der uns auf der Strecke die Highlights aus Geschichte, Natur und Geologie berichten sollte. Kurzes Briefing und …. Wenn Ihr beim Lesen Musik hören wollt und könnt, dann drückt auf play, dann habt Ihr ein Gefühl, was da so am Start gleich abging bei uns.

  • 08:00 Go ab ging´s in Richtung Norden auf die Piste- Das Streckenprofil versprach einige Herausforderungen und die Strecke selbst einiges an Erlebnissen und Erfahrungen

Offizielles Streckenprofil von knapp 72 km und 1.008 HM.

Wer will- kann sich über gpsies die Strecke mal runterladen. Bitte beachten- es sind doch 1.008 HM – gpies nimmt die Daten ja nur von den Karten runter- das Profil kommt direkt von den barometrischen Laufdaten.

Schon nach wenigen 100 Metern laufen wir auf dem Schillerplatz

offizieller Wahlschein von 1932 gefunden in Wikepedia

ein und

 

 

unsere Streckenbegleiterin im Beoplay gibt uns den ersten geschichtlichen Einblick.
Wer weiss denn schon, wer 1932 auf der Wahlliste zum Reichspräsidenten stand. Bei WunderFinderUltra erfährst Du eben alles.

Leider waren die meisten Kreuze später bei Hindenburg- mehr dazu im podcast. Achtung– Erst den Startsong fertighören oder Song jetzt stoppen. 

Karl Marx Monument

Weiter ging´s in die im Volksmund genannte Nischelgasse, ehemals Karl- Marx- Allee, die heute wieder Brückenstraße heisst und auch dort gab´s was zu berichten

handgeriffelte StreckenführungsApp

Nach soviel Geschichte nach dem Start gings getreu meiner gps-unabhängigen, von Tilo treffend als handgeriffelt bezeichneten, Streckenführungsapp weiter über Schlossteich den ersten Anstieg zum Schloßberg hinaus in den Küchwald, um in Richtung HP Borna die Stadt zu verlassen. Dort war bei KM 4,8 schon mal die erste Orientierungsprobe.

Auf gehts über Relikte der Vergangenheit

Plötzlich war der Weg weg. Zurück gibt´s nicht, dachten wir uns. Lt. Plan war nächster OP der Haltepunkt Borna an der Bahnstrecke. Also kurz entschlossen die Hindernisse in Form von Wärmeversorgungsrohren made in GDR überwinden und die knapp 900 Meter auf und an der Bahnstrecke lang.
HP erreicht und wieder weiter auf der Strecke in Richtung Taurastein. Die nächsten 5 km bis Wittgensdorf gings noch weiter vorbei an einer Walldorfschule, in der gerade Schulanfang stattfand und von dort weiter auf ruhigen kleinen Dorfstraßen und

Mmmhhh Victamine

Feldwegen. Die Strecke bot ohne vorherige Planung ausreichend Verpflegungsmöglichkeiten der Natur.
Wir griffen natürlich ordentlich zu und so konnten wir bei km 12 den befestigten Teil des Weges verlassen.

Unter der Pickelhaube

Kurze Stipvisite an einem Kriegsdenkmal aus dem ersten Weltkrieg mit kurzem Schnappschuss und schon war in der Ferne der Taurasteinturm zu sehen, den wir bei Km 17,5 erreichten. Unser erster offizieller VP (Verpflegungspunkt) Wir waren total relaxt.
Unsere Wegbegleiterin im Rucksack, gab uns wieder einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses Bauwerks.

Zwei Wilde am 1.VP TauraasteinTurm

Tilo gab ich eine Kostprobe von meiner neu entworfenen Powernahrung, die er in seinem Bericht unten so kommentierte:
„Als er den Plastikbeutel aus seinem Rucksack zum Tageslicht beförderte, dachte ich

….OMG wasn das?

„Ach du Sch…,beutelte er seine Morgenkacke ein?“ Konsistenz und Aussehen dieser braunen Masse ließen für mich keinen anderen Schluss zu. „Denn von ganz besondrer Güte ist die Morgenkoitüte“ persiflierte Uwe. Allerdings entpuppte sich die Masse als wohlschmeckend und nahrhaft und erinnerte an „Mousse au Chocolate“, Pflanzenmett, bestehend aus Sonnenblumen-, Kürbiskernen, Rosinen, Kakaorips, Fruchttrester, Mineralwasser und Agar-Agar.“
Verpflegungstechnisch war ich diesmal wieder voll auf natürlich aufgestellt. 4 X 175ml frisch gepresster Saft im Patronengürtel, 2 l Mineralwasser still von Staatl. Fachingen, 3 Händevoll Körner/Rosinenmischung (Sonnenblumen-, Kürbiskerne, Buchweizen,Rosinen) nen Apfel, ne Birne- und natürlich mein Spezialmus muss reichen.
Abwärts gings dann durch den Wettinhain in Burgstädt, dort freuten wir uns noch über die Zuckertüten tragenden Schulanfänger und nahmen in westlicher Richtung noch eine

Die Goldrute

Ehrenrunde in eine Sackgasse, bevor wir endlich das Schild Höllmühle erreichten.

Auf in die Mühlauer Wälder

Vorher gab mir Tilo einen Einblick in seine Wildkräuterkenntnisse. Diesmal von der Goldrute- die Verwendung der gelben Blüten, deren Flavonoide und Mineralstoffe regen die Nierentätigkeit an und schwemmen die Flüssigkeit aus.   Von hier wird´s dann langsam trailisch und die Natur durch den Mühlauer Forst überwältigte uns in ihrer ganzen Schönheit und es war keinesfalls die Hölle.

Im Mühlauer Forst

Die ersten 25 km waren im Kasten und wir waren guter Dinge, denn wir wollten  unseren nächsten heimlichen VP erreichen- die sächsische Büffel Mozzarellafarm in Chursdorf.
Die Frage nach der perfekten Abzweigung entpuppte sich wieder als Fehlentscheidung und wir erkennen immer wieder, die Menschen kennen ihre nächste Umgebung nicht. Für uns boten sich dadurch jedoch noch ein paar wunderbare Ausblicke und auch zusätzliche traillische Auf- und Abstiege.

Indianerfeeling an der Höllmühle

Bei dem nebenstehenden Anblick auf den See und die Höllmühle mussten wir beide gleich an die Indianerverfilmungen denken. Die ins Wasser geworfenen Steinchen, lockten zusätzlich Unmengen von Fischen an die Oberfläche.
Wir liefen so eine Ehrenrunde um den Höllteich und standen nach einem zusätzlichen Anstieg von ca. 800 m an der Tür der Farm.

Tilo im Aufstieg

BINGO- leider war Samstag schon geschlossen. Doch es stand eine Funknummer dran. Umsonst sind wir jetzt nicht knapp 30 km hierhergetrabt- also Nummer gewählt. Der freundliche Landwirt konnte zwar nicht selbst kommen, aber er informierte seine Frau, wir sollten uns nur kurz gedulden. Soviel Zeit muss sein. So konnen wir die Gelegenheit nutzen uns von unserer Streckenbegleiterin das wichtigste zu dieser Farm erläutern zu lassen.

Italienfeeling beim Ultra

Caprese ala GenussUltra- so sieht das aus

Kurz darauf, war auch die Landwirtin da und wir gönnten uns einen leckeren Büffelmozzarella und eine Büffelmilch. Tilo hatte sogar noch zwei Tomaten im Gepäck und so war der Caprese perfekt. Diese Produkte sind einfach unvergleichlich gegen jedes Angebot im Supermarkt.
Jetzt gab es fast kein Halten mehr. Auf geht´s nach Amerika war unser nächster Schlachtruf.

Afrikafeeling

Vorher gab es jedoch noch etwas Afrikafeeling, denn an der Höllmühle führte unser Lauf noch an zwei Zebras vorbei, zumindest hatten die Leute die beiden Pferde für die Schulanfangsfeier zu solchen gemacht. Das Zebrapferd wollte, glaub ich, mit, zumindest hatte es schon den Responder an der Fessel.

Jetzt ging´s ordentlich zur Sache- Es ging praktisch von den

 

Wie durch die Canyons 🙂

„afrikanischen Savannen“ mitten durch die Canyons direkt in Richtung Überfahrt ins gelobte Land. Irgendwo hier blieb Tilo plötzlich stehen und bückte sich wieder und zupfte ein paar Blättchen vom Boden und fragte- das kennste jetzt aber? Ich hatte natürlich keine blasse Ahnung, aber die Blätter schmeckten lecker. Diesmal war´s die Gundelrebe

Gundelrebe oder Gundermann diesmal aus dem Netz besorgt,

oder Gundermann, die meine botanischen Kenntnisse erweiterten. Die Blättchen sollen schon früher die Bleimaler zur Entgiftung ihres Körpers genutzt haben.
Tilo ist so ein richtiges kleines Kräuterweibl. An dieser Stelle wurde der Entschluss gefasst, einen der nächsten GenussUltras als KräuterErkentnisUltra zu starten. Es geht schließlich um die Einheit von Körper und Geist.

Tilo in der puren Natur

 

Kurze Zeit später standen wir auf der „Golden Gate Bridge“ und

an der „Golden Gate Bridge“

wagten die sprichwörtliche Überfahrt nach Amerika. Warum dieser Platz überhaupt den Namen Amerika erhielt, verriet uns unsere Begleiterin auch wieder.

 

im gelobten Land

Im gelobten Land angekommen gab es kaum Verweilen, denn wir hatten schon 6 km mehr auf der Uhr, als geplant und Tilo hatte grundlegend seine Strecke auf ca. 45 km beschränkt.

Oberhalb und somit links der Zwickauer Mulde ging es direkt auf Rochsburg und  davor die Hängebrücke zu.  Dieser ca. 4 km lange Abschnitt hat es schon in sich, denn es geht ständig hoch und runter

Natur vom Feinsten

Tilo im Dschungel

und teilweise als kaum zu erkennender Singletrail.
Die herrliche Natur zog uns jedoch immer weiter.

 

Alles was der Ultra braucht

 

Ihr kriegt uns nicht klein

 

 

 

 

 

Da wurde es teilweise auch schon ganz schön steil, doch gehen war für mich keine Option.

Aufwärts immer- gehen nimmer

Das es ordentlich Spass gemacht hat, seht Ihr hier mal live:

Aus den „amerikanischen Rockys“ entflohen,

standen wir wenig später vor den Errungenschaften deutscher Ingenieurskunst- die Hängebrücke bei Rochsburg.

Auf Zusammenhänge dazu, mussten wir nicht verzichten und genossen die Stimme unserer Begleiterin auf der Brücke

Und auch zur Rochsburg selbst wusste sie uns zu berichten.

Die Rochsburg selbst blieb uns leider verwehrt, denn es war dort gerade eine Schokoladenausstellung. Wir mussten dreimal den Berg hoch und runter, weil- wie so oft- keiner weiss wo es lang geht. An der Kirche fand sich ein Ausflugslokal und wir machten unseren VP 3 bei km 37 und einem schönen kühlen Weizen. Zusätzlich gabs noch eine wunderschöne Modellbahnanlage.

Hier vergaß ich dann gleich mal kurz meine Uhr wieder einzuschalten und als ich es kurz vor Lunzenau merkte, waren wir schon 4 km weiter. 

Die geplante Strecke haben wir leider auf Anraten der befragten „Ortkundigen“ an der Stelle in Richtung Lunzenau etwas verlassen. Angeblich geht kein Weg an der Mulde entlang. Hinterher sah ich an der Karte, es gibt einen- halt als Singletrail. Drum bliebt die Erkenntnis- Verlass Dich auf Deinen gesunden Menschenverstand und Deine Nase, die Menschen kommen nicht mehr in ihre nächste Umgebung. Du braucht die nicht fragen.

Denkmal Prinz Lieschen in Lunzenau

Wir erreichten auf weiterhin wunderschönen Strecken bei km 40 Lunzenau und hielten auf dem Marktplatz am Brunnen mit dem Prinz Lieschen Denkmal kurz inne und lauschten den Mitteilungen zur Geschichte um dieses Denkmal der Stadt Lunzenau.

Dann setzten wir wieder über die Mulde über und nahmen uns die Zeit, am Prellbock etwas Eisenbahnnostalgie in uns aufzunehmen. Da helfen nicht viel Worte, da lassen wir einfach Bilder sprechen.

Oh man ist das spannend

Der CONDUCTOR

Oh wo gehts denn jetzt lang?

 

 

 

 

Kofferhotel

Von einer zur Minibücherei umgebauten Telefonzelle, über hunderte Schaffnermützen, bis zu Nostalgischen Bahnhofshinweisschildern ist alles vereint. Eine wahre Zeitreise. Da gibt´s sogar ein Kofferhotel, das müsst Ihr gesehen haben. Dazu könnt Ihr Euch ja selbst mal durch

Warmmachen für den zweiten Abschnitt

die weitere Bilder klicken.

Von hier gings rechts der Mulde  flott weiter auf Wechselburg zu. Wer nach knapp 40 km noch nicht ausgelastet ist, bekommt die Gelegenheit sich auszutoben. Vor der Wechselburg wartet noch ein

Kurz vorm Göhrener Viaduct

wahres Wunderwerk deutscher Brückenbaukunst auf uns und unsere nette Dame im Rucksack gibt uns beim erneuten Überqueren der Mulde ca. 1 km vorher wieder einige Einblicke zur Entstehung.

Das Göhrener Viadukt

 

 

Eins der 3 grössten Viadukte Europas vom Feinsten

Einfach Gigantisch

Dieses Wunderwerk hat es uns dann besonders angetan. Nach der Betrachtung von unten wollten wir schon weiter, doch dann packte uns die WunderEntdeckerlust. Wenn wir schon mal hier sind, müssen wir auf jeden Fall auf die mittlere Stufe klettern.
Gesagt getan. Wir kletterten den steilen Hang bis auf Niveau der Mittelstufe und bewegten uns darauf zu. Vor uns stand ein mind. 2 Meter hoher Stahlzaun mit mindestens 20 cm hohen Stahldornen oben auf.

Nur Fliegen ist schöner- aber nur eventuell

Doch das sollte für uns kein Hindernis bleiben. Schwubs waren wir drüber und stießen einen wahren Freudenschrei

Der Tilo in Höchstform

aus, als wir die Höhe über dem Tal realisierten. Der Entschluss stand auch sofort fest- beim nächsten Ultra in der Gegend laufen wir ganz oben drüber.

 

Jetzt nach 43 Kilometerchen waren selbige wie vergessen und ich flog die nächsten Kilometer förmlich auf Wechselburg zu. Dadurch hatte ich genügend Zeit Tilo´s Wunsch vorzubereiten. Und so liefen wir die letzten Kilometer nach dem „Wunderfinder“ von Alexa Feser. Wir hatten heute ja einige Wunder auf dem gemeinsamen Wege wieder entdeckt.


Auf der Brücke in Wechselburg überholten wir noch eine Wandergruppe, die sich später bei uns für die Music bedankten, denn die hatte sie aus einem kleinen Leistungstief herausgeholt. Tilo hatte seine Zielstrecke mit 48 km leicht überschritten und

YES wir haben wieder viel gewonnen

wir verabschiedeten uns mit besten Eindrücken und Ideen. Mehr Bilder findet Ihr hier auf unserem Datenserver

Für mich gings noch ganz schön hart weiter. wenige Kilometer nach Wechselburg gings steil zwar nicht direkt die Eulenkluft hinauf, doch die Strecke daneben sollte sich dafür noch länger hinaufziehen. Meine Begleiterin nahm ich diesmal nicht in Anspruch, weil ich die Hintergründe dieser geologisch interessanten Stelle kannte, doch ich will sie Euch nicht vorenthalten: Ich lies mich nach 52 km etwas von James Blant mit Heart to Heart und seiner Moonlanding CD hinaufziehen.

Durch die steil und lang ansteigende Nachbarschlucht der Eulenkluft verlies ich dann auch das Muldental in Richtung Frohburg. Seltsamerweise hatte ich keinerlei Schwächeerscheinungen. Ich lief ohne einmal zu gehen den 3 km ansteigenden Abschnitt einfach durch. Irgendwas muss in den letzten 10 Monaten da in meinem Körper passiert sein. Irgendwann hatte ich jedoch, oben angekommen,  weder einen Wegweiser noch einen wirklichen Plan wo ich war- naja zumindest Breitenborn stand am Ortsschild. Der Empfang war auch schlecht. Zum Glück hatte mir ein Freund aus Berlin beim letzten Treffen eine geniale app empfohlen. VirtualMaz eine Offline KartenNavigation.

Kompass und Karte und Du findest Dich

Einsame Stoppelfelder nach 54 km

Du hast einen ordentlichen Kompass drin und irgendwie zeigt das Ding Deine Position auf der Karte. Jetzt konnte ich mich also gut orientieren, wusste zu welchem Ort ich als nächstes ungefähr musste und lief schnurgerade ca. 3- 4  Kilometer einfach querfeldein über teils schon abgeerntete Stoppelfelder, wenn man das nach 54 km als einfach bezeichnen kann. Irgendwo zwischen Ossa und Niederpickenhain fand ich dann wieder auf die geplante Rute und lief weiter über einsame Felder und Waldstücke auf Streitwald zu. In diesem Bereich so bei km 60 setzte dann auch ein langsamer Regen ein, der mir jedoch wirklich gut tat.
Als ich in das Gebiet des Streitwaldes eintauchte konnte ich schon fasst die geschichtlichen Hintergründe dieser Gegend aufsagen. Tilo konnte die Mitteilungen unserer Begleiterin ja nicht mehr hören. Für Euch und Tilo lege ich diesen Teil natürlich hier auch ab. Mich schützten die recht dichten Kronen der wuchtigen Bäume vorm stärker werdenden Regen.

Hier- zwischen Kohren- Sahlis und dem Tal der Wyhra hatte ich bei km 68 dann langsam die Stelle erreicht, an der ich mich auf das Ende freute. Ich beging einen für mich grossen Fehler, dass ich ab und zu stehen blieb. Danach war es sehr schwer, sich doch noch einmal in den Laufschritt zu begeben. Ich rannte die letzten 5- 6 km immer 1 Kilometer und ging dann wieder einige 100 m. In diesem Waldstück haben sich einige so richtig noble Hütten hingebaut. Die werden wissen wozu.
Ich freute mich so auf ein kühles Weizen, doch bis zum Bahnhof in Frohburg kam keine einzige Tankstelle, noch ein Supermarkt. Frohburg scheint irgendwie etwas unlebendig zu sein, obwohl beim Einlaufen am Stadtbad  bereitete sich die Jugend gerade auf das Strandbadfest vor. Dort hätte ich bestimmt ein Weizen bekommen, doch der nahende Bahnhof und damit das Ende des TraumGenussUltra zog mich mehr in seinen Bann.
Zum Glück musste ich auf dem Bahnsteig nur ca. 10 Minuten auf die S- Bahn nach Leipzig warten, denn die knapp 72 km und der zum Schluss einsetzende Regen zogen einen leichten Schauer über meinen Rücken, denn die Sonne war nicht mehr da.
Glücklich und erschöpft steige ich hier in den Zug und freue mich, über die vielen gelungenen Eindrücke mit Tilo Wilhelm, der genau wie ich dem Laufen wesentlich mehr abgewinnen kann, als nur vom Start zum Ziel zu rasen, um irgendeinen Sieg anzustreben, den doch nur eine(r) erringen kann.
Wir haben auf jeden Fall wieder gewonnen und Wunder wieder gefunden.
Einen sehr schönen, eindrucksvollen GenussUltra, eben dem WunderFinderUltra, den ich in meiner Sammlung nicht missen möchte.
Wie drückt es doch Alexa Freser gerade im Wunderfinder aus?: –

“ Die Welt wird für Wunder immer blinder, wenn Du sie sehen kannst, bist Du ein WunderFinder.“
Jetzt kennt Ihr endlich den Grund für den offiziellen Namen dieses Ultra-

WunderFinderUltra

Danke auch Tilo für die vielen gemeinsamen Kilometer und die weiter wachsende persönliche Freundschaft und das Buch, dass wenige Tage nach diesem Ultra als Dank für unsere Freundschaft von ihm bei mir eintraf.
Dank auch den vielen freundlichen Menschen die wir auf unserem Weg entlang der Zwickauer Mulde trafen.
Dank vor allem auch meiner Skatermaus Marion für die Unterstützung und das Verständnis für diese langen ULTRAS, die auch in der Vorbereitung etwas mehr ZEIT kosten. Dafür sind wir dann aber am Tag darauf gemeinsam einen schönen Marathon auf Skatern abgerollt- so haben wir beide etwas gemeinsames.
Es schreit nach Wiederholung. Mehr Bilder findet Ihr hier auf unserem Datenserver


und das waren die Eindrücke von Tilo Wilhelm – oder wieder nach oben. 

Laufen bedeutet für mich eine Tür in ein anderes Universum, ein Tor zur Freiheit (das Gefühl, sich selbst zu verlieren und einen Bereich zu betreten, der einerseits erdverbunden, andererseits aber aller irdischen Sorgen enthoben ist. – Chuck Jones)

Chemnitz – Burgstädt – Amerika – Wechselburg (Tilos Ausstieg nach 48 km) – Frohburg 72 km


„Es war einmal in Amerika“

U-U-U-U-Ultra mit Ultra-Uwe + Raramuri-Tilo

Uwe bereitete in gewohnter Manier unsere heutige Strecke vor, mit kartografischem Werk, seinem berühmten handgegriffelten Streckenverlauf, Podcasts einer Dame, die uns Wissenswertes zu den Hotspots der Strecke vortrug und seinen experimentellen Kulinarien.

Nun näherten wir uns Burgstädt, wo Uwe vor über 34 Jahren auf spektakuläre Art und Weise seine Frau kennenlernte, die damals im Nachbarhaus seiner Schwester wohnte. Beim Renovieren und Steine abklopfen des schwesterlichen Heims flog ein Ziegel durchs Fenster seiner Angebeteten, Uwe fiel quasi mit dem Stein durchs Fenster, das muss seine Frau unheimlich beeindruckt haben.

Burgstädt hinter uns gelassen, jagte eine Attraktion die Nächste, Zwei Himmelhunde begaben sich auf den Weg zur Hölle, eine Weltreise. Von Bella Italia und Mozzarella von der Wasserbüffelfarm in Chursdorf, über Afrika („Zebras“), gelangten wir über den großen Teich nach Amerika, durchstreiften den Grand Canyon und überquerten die Golden-Gate-Bridge. Spektakulär.

Was wäre ein Genussultra mit Uwe und Tilo ohne Bier? Wir durchstreiften in Pichelmännelmanier („Picheln“ als Belohnung für die schwere Arbeit) die sächsischen Lande und verköstigten diverse Weizenbiere, Maisel’s, Einsiedler und Erdinger. Die eindrucksvollste Location bildete hierbei der „Prellbock“ in Lunzenau, Restaurant und Eisenbahnmuseum in einem.

Wir begegneten „Prinz Lieschen“ in Lunzenau http://www.lunzenau.de/…/Originale_und_N…/Prinz_Lieschen.pdf und näherten uns einem letzten Höhepunkt vor meinem Ausstieg, einem architektonischen Meisterwerk, dem Göhrener Eisenbahnviadukt über der Zwickauer Mulde, neben der Elster- und Göltzschtalbrücke eines der eindrucksvollsten deutschen Brückenbauten aus der Frühzeit des Eisenbahnbaues. Fertiggestellt 1871, Gesamtbaukosten betrugen 3,6 Mio Reichsmark, erbaut von 4-5000 Arbeitern, darunter 1000 Italiener. Gastarbeiter waren damals schon ein Thema. Wir erklommen verbotenerweise die erste Ebene der Brücke, fühlten uns wie Abenteurer, genossen den Ausblick über das Muldental und freuten uns dabei wie die kleinen Kinder.

Start in Chemnitz, Uwes Geburtsstadt, am dortigen Hauptbahnhof trafen sich unsere Schienenwege, aus Leipzig und Riesa. Kultur wird bei unseren Ultraläufen in vielfältiger Form groß geschrieben, wir verstehen uns als Genussläufer. Ich durfte mir einen Musiktitel zum Ein-und Ausstieg wünschen, so drang, als wir uns im Hbf. zum Aufbruch anschickten lautstark aus Uwes Boose-Soundbox „Unter den Wolken“ der Toten Hosen zu meinen Ohren. „Unter den Wolken geben wir die Freiheit noch nicht her…Unter den Wolken machen wir uns selbst ein Lichtermeer aus all den Träumen, aus unsern Träumen, unter den Leuchten, schau, wie sie leuchten!“

Ein erstes Higlight bildete die im Volksmund „Nischelgasse“ genannte mit der berühmten Büste des damaligen Namensgebers der Stadt mit den drei „O“ Gorl-Morgs-Stodt. (weltweit die zweitgrößte ihrer Art nach Lenin in Russland).
Unser Weg führte nordwärts weiter aus der Stadt heraus, die ersten Höhenmeter unter die Füße genommen, vorbei an der berühmten Eissporthalle, in der die erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin Jutta Müller aus Rohdiamanten Erstklassiges wie Katarina Witt formte, hin zum nächsten Big Point, dem „Taurasteinturm“, dieser Ort bildete nach 17 km unseren ersten Verpflegungspunkt (VP), an dem mir Uwe sein erstes Nahrungsexperiment präsentierte.

Als er den Plastikbeutel aus seinem Rucksack zum Tageslicht beförderte, dachte ich „Ach du Sch…,beutelte er seine Morgenkacke ein?“ Konsistenz und Aussehen dieser braunen Masse ließen für mich keinen anderen Schluss zu. „Denn von ganz besondrer Güte ist die Morgenkoitüte“ persiflierte Uwe. Allerdings entpuppte sich die Masse als wohlschmeckend und nahrhaft und erinnerte an „Mousse au Chocolate“, Pflanzenmett, bestehend aus Sonnenblumen-, Kürbiskernen, Rosinen, Kakaorips, Fruchttrester, Mineralwasser und Agar-Agar.

Auf den letzten 2 km nach Wechselburg vernahm ich plötzlich aus Uwes Rucksacklautsprecher meinen Wunschausstiegssong „Wunderfinder“ von Alexa Feser. „Wenn unsere Wunderfinderkinderaugen glänzen, wird Traurigkeit sich transformieren zu Träumen voller Tänzen…Wenn Dunkelheit uns blendet ist die beste Zeit zum Hellsehen…Wir können mehr tun als den Sinn suchen, wir können den Sinn geben…Diese Welt wird für Wunder immer blinder, wenn du sie sehen kannst bist du ein Wunderfinder.“

In Wechselburg trennten sich Uwes und meine Wege. Ich stieg nach 48 km und 500 hm Aufstieg aus, mein aktueller Trainingszustand gab noch nicht mehr her. Ich danke Uwe für diesen wundervollen Tag und seine Inspirationen. Mit Plänen und kreativen Ideen für weitere gemeinsame Laufabenteuer, die bald folgen sollen, verabschiedeten wir uns. Uwe rockte noch den Rest bis Frohburg und kam auf 72 km. Ein besonderer Dank gebührt den freundlichen Menschen, denen wir unterwegs begegneten und Sandra, die mich mit ihrem Hund Lennard per Anhalter von Wechselburg nach Leipzig mitnahm.

Es war einmal in Amerika11


Es war einmal in Amerika11

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