05. Juli – alles auf Anfang

05. Juli – alles auf Anfang
„Kommen Sie“, rief er nach einer Weile, „wir wollen jetzt ein wenig Philosophie üben, das heißt das Maul halten, auf dem Bauche liegen und denken.“
Hermann Hesse in Demian
Sind Kleinkinder die besseren Philosophen oder die genialsten Lebenskünstler?
Ja wenn ich mich wenigstens ab und zu so verhalte wie ein Kleinkind, könnte das durchaus klappen. Wieso?
Dem Kleinkind interessiert das ganze Geplapper ringsherum herzlich wenig. Es hat genug damit zu tun, sich selbst optimal zu entwickeln. Deshalb entdeckt es jeden Tag ein Stück Welt für sich und findet Lösungen, um damit wundervoll klarzukommen.
Und was machen wir? Wir wünschen uns, das irgendjemand, irgendetwas in unserem Umfeld ändert, damit wir mit dem Leben wieder klarkommen.
Ich glaub darauf kommt es an- alles auf Anfang- einfach mal das große Maul halten und machen.
04. Juli – Orschwerbleede oder…

Am Anfang stand Vergnügen, denke ich, sonst wären wir schon lange ausgestorben.
Uwe Anger 21. Dezember 2025
Der grosse HEUREKA– Effekt Orschwerbleede oder…
Kann man das Verlernen lernen?
Kleinstkinder haben einen grossen Vorteil, die wissen nichts, die können nichts und genau das haben sie uns Erwachsenen voraus.
Wenn die erschöpft von den vielen neuen Entdeckungen sind, dann pennen die sogar beim Essen einfach ein, sogar beim Nuggeln an der Brust.

Und wir Deppen, wir zwingen uns in dem Moment, das macht man doch nicht. Doch- warum eigentlich nicht? Wer legt denn diese Schicklichkeiten fest.
Ich muss da gleich an die aerodynamische Erkenntnis der Hummel denken, oder besser, deren unbedarfte Nichterkenntnis.
Nach den Gesetzen der Aerodynamik können Hummeln niemals fliegen, doch … Hummeln wissen nicht, dass sie nicht fliegen können, sie tun es einfach.
Vielleicht können wir ja Lernen zu Verlernen, damit wir wieder Entdecken lernen, was alles in uns steckt, oder noch nicht.
03. Juli – Kunst als Stimulation

Kunst, egal welche Ausdrucksform konkret, soll für mich erstmal nur da sein und das menschliche Bewusstsein stimulieren.
Frédéric Schwilden
Das macht uns Menschen ja auch erst aus. Nur so schaffen wir doch dieses einzigartige Kunstwerk, das wir jeder individuell als Mensch sind.
Dieser Herausforderung darf sich jeder stellen. Die Meisterung bezeichnen wir Menschen auch als Lebenskunst.
Jeder Käfer, jeder Hund, jedes Pferd trägt alles schon in seinem Programm. Wir Menschen entdecken jede kleinste Kleinigkeit selbst und entwickeln daraus unsere Fähigkeiten und uns selbst als eigenes Kunstwerk.
Wir in Deutschland haben das sogar in Artikel 5 (3) des Grundgesetzes als besondere Freiheit festgeschrieben….
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Das sind nicht allein Bilder, Töne, Theater oder Film und Fotografie. Es ist für mich das ausprobieren bis daraus Handwerkskunst entsteht und dabei ist alles möglich, bis daraus Lebenskunst wird.
Selbst KI kann uns bei der Entwicklung der Lebenskunst nur stimulieren. Die Lebenskunst selbst ist das, was den Menschen erst zum Menschen werden lässt. Ich nenne es als höchste Form der Kunst mal, das Leben meistern, was immer das auch bedeutet.
Alles andere dient nur der Stimulation.
Insofern gehört Derjenige, der sein LEBEN meistert, zu den grössten Künstlern der Welt.
02. Juli – Einfach lächerlich

Aber es gibt etwas, dem man genauso wenig entgehen kann wie dem Tod, und das ist das Leben, Leben, Leben!
Charlie Chaplin als Clown
Plötzlich sind wir mittendrin. Keiner hat Dich gefragt und dann gibt’s da soviel zu entdecken, Du weißt weder wo Du anfangen sollst, noch wo und wann Schluß ist.
… und als ob das nicht genug wäre, denken sich jeden Tag und überall die Menschen wieder was neues aus. …und irgendwann fängst Du selbst damit an. …und es lässt sich nicht aufhalten.
Ist das nicht Einfach lächerlich?
Oh NEIN- das isses Leben, LEBen, LEBEN
01. Juli – Scheitern und Gelingen

Das Einzige, woran man nicht scheitern kann, ist der Tod.
Stan in Anthony Hopkins *We Did ok, Kid* S. 98
Hurra– das ist mir wieder mal misslungen. Hurra– ich lebe noch.
Natürlich wird auch in Zukunft noch einiges gelingen, doch das Scheitern gehört zu den ganz normalen Erfahrungen.
Eine Erfahrung aus dem obigen Gespräch lass ich hier noch wirken…
Was auch immer du vom Leben willst, mein Sohn, halt an dem Gedanken fest und gib alles. Wenn’s zum Schluss nicht funktioniert, Pech gehabt, dann ist das eben so. Stan in Anthony Hopkins *We Did ok, Kid* S. 98
30. Juni – pure Wahrheit

Das Leben ist kein Problem das gelöst werden muss, sondern eine Realität, die gelebt werden soll.
Sœren Kierkegaard
Manchmal scheint es mir, dass ich und vielleicht auch so manch anderer nur vor der Realität zurückschrecken. Dann weichen wir der Realität aus, oder versuchen es zumindest.
So wird aus der Realität dann ein Problem erschaffen, dass dann gelöst werden muss und jetzt fängt der Kampf an. Früher oder später wird so das Leben mit der Zeit zum scheinbar unlösbaren Problem.
Ein Blinder wird in der Dunkelheit geboren. Die Dunkelheit ist Teil seiner Realität. Der Blinde lebt mit dieser Realität. Und der Sehende sagt sich vielleicht, naja, der sieht sein Problem ja nicht.
29. Juni – ENDLICH

Von Fehler zu Fehler entdeckt man die ganze Wahrheit.
Sigmund Freud
Hat dieses LEBEN das nicht wundervoll eingerichtet? NICHTS bleibt wie es ist. Gerade noch flimmert die Luft vor Hitze, dass ich mich in einem ständigem Fieber wähne.
Da kommt die Erleuchtung um 3:23 Uhr, dass nichts für ewig bleibt, wie es ist. Ich rieche es erst nur, wie schon damals als kleiner Junge und spüre dann diese tiefe Verbundenheit mit der Erde im Moment des Wandels.
Jetzt rauscht der Wind erst sanft und zerrt dann mit voller Wucht an den offenen Fenstern und dann fallen erst sanft und im nächsten Augenblick mit voller Wucht die ersehnten Tropfen auf die poröse Erde, schließen winzige Luftbläschen ein, die wie in einem Champagnerglas nach oben schießen und den charakteristischen Duft als feinen Nebel freisetzen.
Wahrscheinlich liebe ich deshalb diesen Duft, der mich schon lange vorher zuversichtlich stimmte, oh ja endlich kommt Regen. Es sind Actinobakterien die Geosmin produzieren und der Regen wirbelt diese chemische Verbindung als Aerosol in die Luft.
Eine Stunde später ist alles wieder ruhig und das Fiebergefühl in mir ist wie von Zauberhand verschwunden.
Ich werde dran denken, beim nächsten Fieberwahn oder mulmigen Gefühl, weil mal wieder etwas nicht gelang oder Fehler passieren. Ein Grollen nach einem Blitz reisst den Gedanken weg und ich spüre auf meiner nackten Haut… es ist kühler und der erste Vogel zwitschert in den erwachenden Morgen.
Ich schließe entspannt noch einmal die Augen- ENDLICH.
