22. Juli – Spiegeln

22. Juli – Spiegeln
Lass den Himmel sich auf der Erde widerspiegeln, auf dass die Erde zum Himmel werden möge.
Rumi– Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī persischsprachiger Dichter
Manchmal lässt sich schwer akzeptieren, was da um mich herum so alles passiert. Ich wage dann einen Blick in den Spiegel und seh plötzlich klar und deutlich, wofür ich tatsächlich zuallererst verantwortlich bin. Das ist manchmal hart, aber unverblümt ehrlich.
Zum heutigen Zitat fand ich noch eine wundervolle Beschreibung für den Effekt von Spiegelungen:
Die Erde ist nicht die Hölle, kann aber zu einer werden, wenn ich keinen Himmel als Spiegelfläche habe. Sobald der Himmel die Chance hat, die Erde zu berühren, verwandelt sie sich.

Ich liebe unseren Spiegel.
21. Juli – Strahlen

Es ist doch erstaunlich, was ein einziger Sonnenstrahl mit der Seele des Menschen machen kann.
Fjodor Dostojewski
Es scheint etwas zu geben, was uns Menschen tatsächlich vereint.
Wenn wir in die erwachende oder untergehende Sonne schauen, werden wir alle irgendwie seltsam sentimental und friedlich.
Was ich auch immer wieder spüre. Wenn ich Menschen, die mir begegnen, ein strahlendes Lächeln schenke, bekomme ich fast immer ein strahlendes Lächeln zurück.

Was uns das Strahlen der Sonne doch so alles beibringen kann.
Und wenn es das Einzige ist, was ich gerade schaffe, dann ist es ein Lächeln. Dieses Lächeln verleiht mir die Flügel, um über den Dingen zu schweben.
Uwe Anger 19.09.2023
20. Juli – zahnlose Tiger

Wer das Spiel der Macht als künstliches Theater erkennt, kann den Wahnsinn der Welt friedlich beobachten, ohne sich darin zu verlieren.
Alfred Achtsam
Irgendwie passt das zu diesem historischen Datum. Es gab sogar im Spiel der Macht Menschen, die selbst Teil dieser Machtelite waren und den scheinbarem Kopf der Hydra die Zähne einschlagen wollten.
20. Juli 1944 Attentat auf Adolf Hitler.
Mal ganz ernsthaft gefragt. Müsste sich nicht jeder die Zähne ausschlagen, weil wir den Wahnsinn erst zulassen?
Was hat sich seit dem geändert?
Sind die Spiele der Macht nur raffinierter geworden?
Mir fiel heute eine Zeile aus einem Spiel vor der Zeit der heutigen Computerspiele ein:
Zähnezeigen, Mundverziehen ist keine große Kunst, du bist ein Teufelskind, das über alle Winde springt.
Es ging und geht darum, jemanden zum Lachen zu bringen, Zähne zu zeigen, jemand dazu zu bringen, die ernste Miene fallen zu lassen, oder die Fassung zu verlieren, oder die künstliche Maske fallen zu lassen. Wer Lachen musste oder die Zähne zeigte, hatte verloren. War das Teil des Trainings? Das Gesicht zu wahren?
Und heute?
Wir machen noch immer gute Miene zu bösem Spiel, ja nicht anecken. Es geht uns doch gut. Wer die Maske abnimmt, hat verloren.
Heute gibt es kaum noch die offene Gewalt gegen die Bevölkerung, keine Zäune mit Stacheldraht. Und warum?
Wir sind inzwischen noch zahnlosere Tiger. Die können frei rumlaufen. Wir tun auch so, was die inzwischen tausendköpfige Hydra vorgibt.
Wir wollen doch nur spielen.
